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Hilfe, ich habe einen Problemhund!

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Problemhunde sind uns Menschen oft ähnlicher als wir vermuten. In den meisten Fällen versuchen sie nur, was wir längst praktizieren – ihren Status abzusichern bzw. zu verbessern. Warum aber verlangen wir von unseren Hunden, dass sie Fremde willkommen heißen, obwohl wir zur Absicherung unseres Grundes einen Zaun errichtet haben? Oder warum sollen sich Hunde kommentarlos gefallen lassen, was selbst wir nicht dulden?

Ein Problemhund wurde soeben geboren. Vielleicht und nur, wenn seine Halter das so empfinden.

Das Wort Aggression (aggredi – lat. = angreifen, in Angriff nehmen) ist in unserer Gesellschaft sehr negativ belegt und gleichzeitig müssen wir uns alle bewusst werden, dass aggressive Kommunikation für unser aller Überleben notwendig ist – für Mensch und Tier. Interspezifische Aggression (also gegen Nichtartgenossen genauso wie intraspezifische Aggression (innerartliche Aggression). Aufgrund dieser Negativbelegung lassen sich Hundehalter auch sehr lange Zeit, bis sie zum Telefon greifen und professionelle Hilfe für sich und Ihre Vierbeiner suchen. Oftmals aus Scham, denn Aggression ist ja sowas von unerwünscht in unserer Gesellschaft und wer gibt schon gerne zu, dass sein Hund aggressiv ist oder gesteht es sich sogar selber ein.

Ob ein Hund zum „Problemhund“ wird, hängt meist nur vom subjektiven Empfinden ab. Was für Hundehalter A ganz normal ist, stellt für Hundehalter B schon ein Problem dar.

Der subjektive Problemhund

„Mein Hund ist eigentlich ein ganz Lieber, aber………“. Das ist vermutlich der Satz, wie viele Trainingsinteressenten ein Gespräch starten. Wenn man mich fragen würde, was im Ranking der 2 beliebteste Satz ist, würde ich vermutlich sagen, „ich habe einen Problemhund…….. .“ Ich finde diesen Begriff genauso deplatziert wie den Begriff „Kampfhund“ und gleichzeitig findet sich der Begriff Problemhund auf ganz vielen Trainer-Seiten, oftmals verknüpft mit aggressivem Verhalten.
Dabei ist ein „Problem“ immer ein sehr subjektiver Begriff, für den einen ist es ein Problem, wenn der Hund Angst vor dem Autofahren hat, für den anderen, wenn er keine Katzen mag, und für den dritten ist beides kein Problem, weil der Halter mit seinem Hund nicht fahren muss und glücklich ist, wenn der Hund die Katzen vom Grundstück vertreibt. Vielleicht wäre es für diesen Halter aber ein Problem, wenn der Vierbeiner „nur“ ein Mischling ist und keinen Stammbaum hat.

Für jedes Lebewesen ist die Erhaltung und auch die Steigerung der biologischen Grundbedürfnisse ein Überlebensprinzip.

Das Bedürfnis nach Status

Also wie gesagt, warum belegen wir einen Stammtisch beim Wirten, haben höhere Angestellte in Unternehmen einen angeschriebenen Parkplatz mit ihrem Namen – nah am Eingang und sprechen unseren Hunden gleichzeitig ihr Bedürfnis nach Status ab? Betrachtet man den Bedürfniskreis unserer Caniden – dazu gehören beispielsweise Territorialität, sozialer Status, Nahrung, Sexualität, Erziehung und Selbstschutz – wird dieser niemals ohne einen zumindest kleinen Anteil an aggressiver Kommunikation auskommen.

Natürlich kommt es immer auf die Ausprägung der gezeigten Aggression an, ob diese für den Hundehalter, den Hund und vor allem auch dem Umfeld zur Belastung oder gar Gefährdung wird. Zusätzlich stellt sich auf jeden Fall die Frage: Wo fängt aggressives Verhalten überhaupt an und welche Missverständnisse birgt Kommunikation im Generellen?
Die berühmte deutsche Verhaltenswissenschaftlerin Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen hat 2004 sehr deutlich anhand einzelner Stufen „Aggression“ erläutert. Diese reichen von Distanzdrohen (wie z.B. starres Fixieren über den Nasenrücken, Drohbellen…) bis hin zur Stufe 6, der ungehemmten Beschädigung (also der Intention den Gegner zu töten).

Ist ein Rottweiler automtisch aggressiv? Wohl kaum, viel wichtiger sind individuelle Aufzucht und Prägung!

Gründe für gesteigerte Aggression

Die Gründe für gesteigerte Aggression sind sehr vielschichtig. Oftmals sind Unsicherheit, Angst, Stress oder Frustration die Ursache. Erbanlagen beeinflusst durch Zucht können hierbei natürlich eine Rolle spielen, genauso wie Umwelterfahrungen – also Sozialisierung. In welchem Ausmaß Veranlagung und Erfahrung eine Rolle spielen ist unter Gen- und Verhaltensforschern genauso ein Streitpunkt wie die Frage, ob Kinder mehr durch Genetik oder Erziehung beeinflusst werden. Wichtiger für uns wäre herauszufinden, warum unser Hund gesteigerte Aggression zeigt – welche Bedürfnisse also wichtig für ihn sind und diese Verantwortung gezielt zu übernehmen. Unsere Hunde richtig lesen zu können, also rechtzeitig unerwünschtes Verhalten beeinflussen zu können, ist hierbei von zentraler Bedeutung.

Missverstandene Signale

Denn in den allermeisten Fällen hat ein Hund – unbemerkt von seinen Menschen – vergeblich defensives Verteidigungsverhalten gezeigt, bevor er in die Offensive geht. Der Hund hat vielleicht versucht sich zurückziehen, dies war aber nicht möglich. Vielleicht hat er durch seine Körpersprache gezeigt, dass ihm die Situation Unbehagen bereitet, die Signale wurden jedoch nicht erkannt. Manchmal hat er auch laut geknurrt und dies wurde ihm verboten. Denn eines missverstehen wir Menschen sehr oft: NICHT wenn es laut wird, ist es haarig, sondern sehr oft lösen die leisen Signale mehr Schaden aus. Und diese beziehe ich nicht nur auf hündisches Verhalten – auch Menschen agieren oft so. Prügeleien sind oft laut – wenn es überhaupt nach lauten Tumulten dazu kommt. Messer werden zumeist leise gestoßen!

Autorin: Mag. Lenka Schlager

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