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Pubertät – alle Regeln außer Kraft gesetzt?

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Gestern war er noch der beste, folgsamste und liebste Hund und heute ist plötzlich alles anders. Was ist passiert? Hat mein Hund alles vergessen, macht er das absichtlich? Wie damit umgehen, was steckt dahinter? In diesem Artikel werde ich die Pubertät des Hundes näher beleuchten, die Umstände, warum er sich „plötzlich anders verhält“ und Ihnen Tipps geben, wie Sie damit am besten umgehen können.

Eines vorab: Ihr Hund tut nichts absichtlich, um Sie zu verärgern – er kann nicht anders! Also  bleiben Sie im Umgang mit ihm liebevoll konsequent, damit legen Sie den Grundstein für ein gutes und gelungenes weiteres gemeinsames Leben – Ihr Hund wird es Ihnen danken! Ach ja: … und die Pubertät geht vorüber!

Wann und warum findet die Pubertät des Hundes statt?

Pubertät aus dem lateinischen „pubertas“ bedeutet: „Geschlechtsreife“, in unserem Sinne verstanden: der zur Geschlechtsreife führende Entwicklungsabschnitt des Hundes.
Den Anfang der Pubertät, wie die Bedeutung des Wortes bereits verdeutlicht, bildet bei Hunden das Einsetzen der Geschlechtsreife. Dies äußert sich bei der Hündin durch die erste Läufigkeit und beim Rüden durch das Heben des Beines und das Markieren sowie durch ein verstärktes Interesse am anderen Geschlecht. Die Pubertät stellt den Anfang der Adoleszenz, also den Beginn des Erwachsenwerdens des Hundes, dar. Dies ist ein ganz entscheidender Prozess, denn wie bei uns Menschen, verabschiedet sich der Hund von seiner „Kindheit“ und beginnt mit dem „Erwachsenwerden“.  Dabei löst sich der Hund mehr und mehr von seiner Familie und wird selbstständiger (Abnabelungsprozess). Je nach Rasse kann dies bereits mit 6 Monaten erfolgen oder auch erst mit einem Jahr oder später.

Die Pubertät beginnt mit Veränderungen im Gehirn

Ausschlaggebend für das Einsetzen der Pubertät ist die Bildung des Hormons GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon), welches im Hypothalamus gebildet wird. Dieser Botenstoff ist dafür verantwortlich, dass in den Geschlechtsorganen die Hormone, welche für die Geschlechtsreife verantwortlich sind, freigesetzt werden. Die Strukturen der Synapsen im Großhirn verändern sich, nicht benötigte Verbindungen werden aufgelöst und neue Verbindungen werden geschaffen. Der Stresshormonpegel wird durch eine erhöhte Aktivität der Nebennierenrinde gesteigert, weshalb der Hund wesentlich empfindlicher auf taktile Reize (Berührungen) reagiert und in dieser Zeit generell wesentlich anfälliger für Stress ist. Der Corpus amygdaloideum (Amygdala), wegen seines Aussehens auch Mandelkernkomplex genannt, ist für die Wahrnehmung, Bewertung und Reaktion von Emotionen und Gefühlen wie Angst und Furcht bekannt. In der Phase der Pubertät vergrößert sich der Mandelkernkomplex, ist empfindlicher und reagiert stärker auf Umweltreize. Dies bedeutet, dass der Hund seine Grenzen austestet und auch sonst risikobereiter agiert. Dies bildet potenziell einen guten Mutterboden für Angst und Aggression. Die Erhöhung des Dopaminspiegels trägt ihriges dazu bei. Dopamin, ein wichtiger Botenstoff des Nervensystems, hilft bei der Steuerung von Belohnung und Lust im Gehirn und wirkt verstärkend für innere Impulse bzw. deren Umsetzung in Handlungen. Der erhöhte Dopaminspiegel in der Pubertät steigert das Neugierdeverhalten des Hundes und erhöht die Erregbarkeit des Belohnungssystems. Dies führt dazu, dass Hunde in dieser Phase besonders erpicht darauf sind, dieses Belohnungssystem zu stimulieren, sie sind sozusagen auf der Suche nach dem „Kick“ (der Selbstbelohnung), welcher sich u.a. in einer erhöhten Risikobereitschaft äußert. Als Ergebnis: das limbische System verliert an Einfluss und das Frontalhirn, zuständig für rationale, kognitive (geistige) Leistungen, Frustrationstoleranz, Impulskontrolle uvm. gewinnt an Einfluss. Einen wesentlichen Beitrag zur Restrukturierung des Gehirns bzw. zu einer effektiveren, schnelleren Weiterleitung von Reizen liegt in der Umwandlung von grauer in weiße Substanz. Diese weiße Substanz (Hirnmasse) besteht aus Nervenzellverbindungen (Verbindungskabeln), deren Nervenzellausläufer die Signale weiterleiten. Der kognitive Leistungsabfall am Anfang der Pubertät könnte aus wissenschaftlicher Sicht genau durch diese Umwandlung erklärt werden. Man könnte diesen Prozess mit einer Umstellung von Telefonkabeln der Kategorie 1 (nur für analoge Sprachübertragung) auf Telefonkabel der Kategorie 7 (Hochleistungskabel) vergleichen. Hier werden allerdings auch nicht benötigte Leitung stillgelegt und abgebaut und andere wiederum optimiert und die Leitungsgeschwindigkeit somit massiv erhöht. Aus diesem Grund herrscht während der Restrukturierung immer wieder Chaos im Kopf. All diese Prozesse im Gehirn tragen dazu bei, dass sich der Hund so „anders“ verhält.

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 02/2018

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