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Rasseportrait: Chesapeake Bay Retriever

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Der Chesapeake Bay Retriever, von seinen Fans auch Chessie genannt, unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von den anderen Vertretern der großen Retrieverfamilie. So stammt er als einziger Retriever aus den USA, während die Heimat aller anderen Retrieverrassen die britischen Inseln sind. Doch auch im Wesen kocht der Chessie sein eigenes Süppchen.

Foto: www.istockphoto.com, Der Chesapeake Bay Retriever ist unermüdlich bei der Arbeit im Wasser und braucht viel Beschäftigung.

Der Ursprung des Chesapeake Bay Retrievers  soll im berühmten St. John’s-Newfoundland- Hund zu finden sein. Die damaligen Hunde  aus der Region rund um die St. John’s Halbinsel gelten als die Ahnen aller heute bekannten Retrieverrassen. So zeichnete sich schon der St. John’s Hund als talentierter und engagierter Hund für die Jagd mit außerordentlichem Hang zum Wasser aus. Diese Eigenschaften machten sich die Bewohner der Region zunutze und bildeten ihre Hunde zu Apportierhunden für die Entenjagd aus. Ebenfalls als Entenapportierhunde wurden jene zwei St. John’s Hunde ausgebildet, die 1807 als Welpen mit einem Schiff an der Chesapeake Bay vor Maryland strandeten. Der rötliche Rüde namens Sailor und die schwarze Hündin namens Canton gelten bis heute als Ursprung des Chesapeake Bay Retrievers und sollen vom Typ des heutigen Neufundländers gewesen sein.

Seinen außergewöhnlichen Namen verdankt er einem von vielen großen Flüssen durchzogenen Gebiet entlang der Ostküste Nordamerikas, der Chesapeake Bay. Die Indianer nannten diesen Ort „große Bucht“ – in der Sprache der Eingeborenen stand Che für „groß“, Sepi für „Flüsse“ und Ook bedeutet übersetzt „viele“. Damit wird schnell klar, dass die Bewohner dieses von vielen großen Flüssen durchzogenen Gebiets auf die Unterstützung eines unermüdlichen, mutigen Jagdhundes angewiesen waren. Zahlreiche Schwärme Zugvögel finden sich auch heute noch jedes Jahr an der Chesapeake Bay ein, die von einem rauen Klima geprägt ist. Ein Hund, der diesen Bedingungen trotzen wollte, musste unsagbar willensstark, zäh und mutig sein. Und bei aller Kooperationsbereitschaft musste er im Falle des Falles auch selbstständige Entscheidungen treffen können, wenn es hart auf hart kam. Das mag vielleicht das größte Unterscheidungsmerkmal des Chessies zu allen anderen Retrievern sein. Diese Charaktereigenschaften hat er sich bis heute bewahrt, weshalb der Vergleich mit Labrador Retriever, den Laien oft ziehen, nicht zulässig ist. Halter und Züchter weisen immer wieder auf den herausfordernden, oft dominanten Charakter des Chessies hin und betonen gerne seine Eigenständigkeit.

Harte Bedingungen für Mensch und Hund

Wie genau die Rasse letztlich entstanden ist, kann bis heute nur geraten werden. Genaue Aufzeichnungen über an der Entstehung beteiligte Rassen fehlen leider. Experten vermuten, dass man sich damals auf sogenannte Wasserspaniels konzentrierte und diese mit Pointer, Setter, Neufundländer und Spürhunden kreuzte. Es sollen die Großgrundbesitzer aus der Region gewesen sein, die sich damals besonders um die Reinzucht der Rasse bemühten. Sie begeisterten sich für die Entenjagd und hatten ein entsprechendes Interesse an möglichst verlässlichen Jagdgebrauchshunden. So zäh die Hunde während der Jagd sein mussten, zuhause waren sie voll in die Familie integriert und genossen Vorzüge, von denen die meisten anderen Hunde zur damaligen Zeit nur träumen konnten. Chessies waren schon damals vollwertige Familienmitglieder und als zuverlässige Partner für Kinder gleichermaßen wie als Beschützer von Haus und Hof geschätzt. Diese natürliche Veranlagung zum Wach- und Schutzhund ist ein weiteres Merkmal, das den Chessie ganz deutlich von den anderen Retrievern unterscheidet. Man tut gut daran einen Chesapeake Bay Retriever nicht zu unterschätzen und ihm mit gebührendem Respekt zu begegnen, denn Chessies nehmen ihre Aufgabe als Wachhunde sehr ernst.

Aufgrund der Größe der Chesapeake Bay entwickelten sich verschiedene Rassetypen, die sich in Fellstruktur, Größe und Gewicht völlig unterschieden. Nur der Charakter war ihnen allen gemein. So staunten die Züchter nicht schlecht, als sie sich 1876 erstmals mit ihren Chessies in Baltimore zur Rassehundeausstellung einfanden und eine Vielzahl unterschiedlicher Schläge innerhalb ein und derselben Rasse präsentiert wurde, die damals noch unter dem Namen Chesapeake Bay Duck Dog geführt wurde. Man einigte sich darauf bei einem Treffen über eine Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes der Rasse sowie einer gemeinsamen Zukunft als Züchter zu verhandeln. Maßgeblich an der einheitlichen Entwicklung der Rasse soll letztlich aber der Carroll’s Island Gunning Club gewesen sein, der theoretische Übereinkünfte konsequent praktisch umsetzte und so den Grundstein für eine einheitliche Rassezucht legte.

Mutig, zäh und unermüdlich

Die Entwicklung des Chessis steht somit in engem Zusammenhang mit der Entenjagd, wofür man ihn in den USA auch heute noch schätzt. Denn anders als in Europa, wo er eher ein Geheimtipp und nur wenig verbreitet ist, zählt er in Amerika zu den beliebtesten Retrieverrassen. Nicht zuletzt wegen seiner Vielseitigkeit, dank der er für eine Vielzahl an Aufgaben zu gebrauchen ist.

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 03/2018

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