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Rasseportrait: der Zwergpinscher

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Der kleinste der großen Pinscher-Schnauzerfamilie ist wahrlich nur vom Aussehen klein. Kaum eine andere Rasse verfügt über so viel Temperament, Intelligenz und Energie so konzentriert wie der Zwergpinscher. Gerade die geringe Größe ist oft dafür verantwortlich, dass er in falsche Hände gerät, die ihn völlig unterschätzen und nach kurzer Zeit wegen Überforderung wieder abgeben. Der kecke Rattenfänger weiß eben ganz genau, was er will.

Als man in Mittel- und Westeuropa die Höfe noch vor Landstreichern und Dieben schützen musste, hatten die damaligen Vorgänger der heutigen Pinscher Hochsaison. In Zeiten, in den man noch auf das Pferd als Transportmittel und Unterstützung zum Bestellen der landwirtschaftlichen Flächen angewiesen war, war es begehrtes Diebesgut. Hofbesitzer brauchten daher unbestechliche, kompromisslose Beschützer, die mutig genug waren jeden potenziellen Dieb wenn nötig mit Nachdruck in die Flucht zu schlagen.

Wachsamer Rattenfänger

Daneben hatten die zumeist rauhaarigen Pinscher eine weitere wichtige Aufgabe. Sie mussten die Stallungen frei von Ratten und Mäusen halten und taten dies mit größter Hingabe. Der Jagdtrieb ist dem Zwergpinscher bis heute geblieben. So passiert es immer wieder, dass Zwergpinscher im Freilauf Reißaus nehmen, wenn sie eine besonders vielversprechende Fährte wittern. Da der Zwergpinscher äußerst intelligent ist, lässt er sich mit Ausdauer und Konsequenz sehr gut erziehen. Diese Intelligenz ermöglichte ihm schon vor über hundert Jahren genau zwischen Freund und Feind seiner Familie zu unterscheiden. Ungebetene Gäste wurden konsequent gestellt und durften erst nach einem deutlichen Okay des Hofbesitzers das Anwesen verlassen. Auch heute noch werden fremde Personen lautstark an der Haustüre gestellt. Damit der Zwergpinscher kein lästiger Kläffer wird, muss ihm von Anfang an unmissverständlich klar gemacht werden, dass er nicht den Portier zu spielen braucht. Hinterher hat man schlechte Karten, da der Zwergpinscher über ein sehr starkes Durchsetzungsvermögen verfügt und eine immense Ausdauer hat, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat.
Kein Geld für Familienhunde

Seine Ahnen lebten in einer rauen Zeit. Die Menschen hatten kaum genug zu essen und fristeten ihr Dasein mit harter Arbeit und wenig Lohn. Hunde mussten in erster Linie dienlich sein, denn für Zuneigung hatte man weder Zeit noch Geld. Die früheren Pinscher waren noch rauhaarig und mit einem derben Fell ausgestattet. Das brauchten sie auch im Winter, denn an ein Übernachten im Haus war nicht zu denken.

Am häufigsten waren die Pinscher gegen Anfang des 20. Jahrhunderts in der Region zwischen dem alten Österreich und dem süddeutschen Raum zu finden. Im Jahr 1895 war es Josef Berta, der erstmals zur Gründung eines Pinscherklubs aufrief. Dieser Klub bildete den Grundstein für den noch heute existierenden Pinscher-Schnauzerklub in Deutschland. Von einem einheitlichen Erscheinungsbild der Rassen war man zu dem Zeitpunkt aber noch weit entfernt. Pinscher und Schnauzer gab es noch in vielfältigen Farbvarianten. Erst durch jahrzehntelange Selektion auf ein einheitliches Erscheinungsbild kristallisierten sich langsam zwei unterschiedliche Typen von Rassen heraus. Die Trennung in Schnauzer mit dem rauhaarigen Fell und in Pinscher mit dem kurzhaarigen Fell war damit nur noch Formsache, doch der genaue Zeitpunkt der Trennung ist bis heute ungeklärt.

Vom robusten Rattenfänger zum Modehündchen

Der kleine kecke Charmeur eroberte die Herzen der noblen europäischen Damenwelt im Sturm und baute rasch eine große Fangemeinde auf. Leider verfolgte nicht jeder Züchter positive Absichten. Der Zwergenwuchs gelang schnell in den Mittelpunkt der züchterischen Bestrebungen, sodass man immer kleinere, filigranere Rassevertreter anstrebte. Die Folge waren dünnknochige Hunde, die sich beim täglichen Spiel regelmäßig die Läufe brachen oder durch ein besonders schreckhaftes Wesen auffielen. Eine Handvoll Liebhaber des ursprünglichen Typs zogen die Notbremse und setzten alles daran, durch gezielte Zucht den robusten Zwergpinscher, den mutigen Draufgänger, den nichts und niemand stoppen konnte, zu erhalten.

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 04/2018

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