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IPO Sport

Keine andere Sportart ist so umstritten wie der IPO Sport. Doch was steckt dahinter? Ist dieser Sport längst veraltet oder hat er noch seine Berechtigung?

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Der IPO Sport besteht aus der Abteilung A, der Fährtenarbeit, bei der der Vierbeiner sein bestes Werkzeug, seine Nase, einsetzen soll, um eine Fährte (eine Geruchsspur) möglichst genau über Stock und Stein auszuarbeiten, der Abteilung B, der Gewandtheit (vormals Unterordnung), bei der Hund und Halter den größten Fokus auf die Teambildung legen sollten, um später eine ansprechende, lockere Unterordnung mit all ihren Teilübungen laufen zu können. Und letztlich gehört auch die Abteilung C zum IPO Sport – der Sportschutzdienst. Dabei lernt der Hund auf spielerische Weise einen Scheintäter zu verfolgen und zu stellen. Im Mittelpunkt steht dabei das Spiel um die Beute, den Beißarm.

Sind Sie Hundehalter und besuchen zum ersten Mal einen Hundeverein in Ihrer Nähe, sehen Sie eventuell gerade einen Hund eine Person in Lederhose, mit Beutearm und Softstock ausgestattet, in einem Versteck stehend verbellen. Auf den ersten Blick mag es abschreckend wirken. Fakt aber ist, dass Sie einen Hund sehen, dessen Halter einen enormen zeitlichen Aufwand für die Ausbildung seines Hundes in Kauf nimmt. Hund und Halter verbringen mehrere Stunden gemeinsam pro Woche am Ausbildungsplatz oder bei der Fährtensuche im freien Gelände. Dies fordert den Vierbeiner nicht nur physisch wie psychisch, sondern fördert zudem die Mensch-Hund-Beziehung. In den letzten Jahren hat sich die Hundeausbildung sehr positiv entwickelt.

Abteilung A

Fährtensuche

faehrtenDie Fährte sollte zu Beginn der Ausbildung möglichst frisch gelegt sein, wenn der Azubi mit der Suche beginnt. Seine Nase besitzt über zweihundertzwanzig Millionen Riechzellen (der Mensch im Vergleich etwas über fünf Millionen), welche durch diese Art der Beschäftigung perfekt eingesetzt werden. Für die erfolgreiche Ausarbeitung der gelegten Fährte ist vor allem Ruhe wichtig. Hektische Bewegungen oder gar ein Maßregeln des Hundes können den Hund nachhaltig verunsichern. Die Fährtenarbeit stärkt das Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Vierbeiner, denn eine selbstständige Arbeitsweise ist hier unerlässlich. Anders wäre später ein Arbeiten an der zehn Meter langen Fährtenleine nicht möglich. Bei der Fährtenarbeit ist ein motiviertes und ausdauerndes Ausarbeiten der Fährte von besonderer Bedeutung. Der Fang des Hundes muss dicht an der Fährte geführt werden, sodass ein konstantes, intensives Suchen möglich ist. Dies setzt eine von Beginn an liebevolle und konsequente Ausbildung voraus. Die Fährtensuche eignet sich auch gut für Hunde, die wenig Selbstbewusstsein haben, da der Vierbeiner hierbei selbstständig arbeiten kann und das hohe Vertrauen seines Menschen zu ihm erfahren darf. Die Fährtenarbeit kann auf unterschiedlichste Weise begonnen werden. Die einen schwören auf das anfängliche Absuchen von kleinen Quadraten, in welche mehrere Stücke gut, aber nicht zu stark riechendes Trockenfutter für den Welpen ausgelegt werden; die anderen ziehen die Schleppfährte als Basis vor, bei der ein Stück Fleisch nachgezogen wird und manche sehen den besten Start überhaupt im rückwärtigen Austreten der Fährte.

Wichtig dabei ist, den Welpen nicht zu überfordern und ihm stets die Freude an der Fährtensuche zu vermitteln. Welchen Weg Sie beschreiten, wird davon abhängen, welche Ziele Sie sich und Ihrem Vierbeiner setzen. Für eine Fährtensuche just for fun wäre es theoretisch ausreichend, die Leckerlis vom Spazierweg aus in der Wiese zu verteilen. Wir als engagierte Hundehalter empfinden es aber als Ehre, unserem Stöpsel eine schöne Fährte treten zu dürfen. Sehen Sie sich für die eine oder andere Teilnahme an Turnieren als durchaus geeignet, sollten Sie die Suche von Beginn an systematisch aufbauen und niemals Druck oder Stress auf die Fährte bringen. Auch sollten Sie davon absehen, Ihrem Hund gebetsmühlenartig Lobeshappen zuzuwerfen, dadurch zügeln Sie sich nur einen passiven Sportler, dessen Motor Ihre Lobeshymnen sind. Kurze, ruhige Bestätigungen sind zielführender und lassen den Hund aktiver, um Ihr Lob bemüht, mitarbeiten.

Abteilung B

Gewandtheit

uoDas Prinzip der gemeinsamen Arbeit sollte nicht so verstanden werden, dass Ihr Hund von Ihnen zum ständigen Mitarbeiten ermuntert werden muss, sondern Sie sollten ihm Rahmenbedingungen schaffen, für die es sich aus seiner Sicht lohnt, aktiv zu sein. Den Grundstein dafür legen Sie, indem Sie auf ständiges Zustecken von Leckerlis unbedingt verzichten. Diese Unart wird nur von Hundehaltern getoppt, die ihre liebevoll gestaltete Leckerlisammlung in einem möglichst rauschreichen Plastiksackerl aufbewahren. Das böse Erwachen kommt dann bei der ersten Prüfung, bei der der Vierbeiner aus unerklärlichen Gründen plötzlich keinen Blickkontakt mehr hält. Muss er ja auch nicht, er hat doch im Training gelernt, wenn es raschelt, kommt das Leckerli. Die für den Hund logische Schlussfolgerung daraus: raschelt nichts, kommt auch nichts.

Bevor Sie zum ersten Mal einen Sportplatz zur Ausübung der Gewandtheitsübungen betreten, sollten Sie Zuhause ausreichend an der Bindung zu Ihrem Vierbeiner gearbeitet haben, um den Klassiker am Hundeplatz zu vermeiden. Der Klassiker sieht nämlich so aus, dass Hund und Halter jungfräulich, aber durchaus motiviert den Hundeplatz betreten und ein Stich wie ein Donnergroll in den Nacken des Halters fährt, weil Bello beim Anblick der anderen Hunde und Umwelteindrücke in die Leine schießt und blitzartig vergessen hat, dass er eigentlich zum Training mit seinem Herrchen oder Frauchen hier ist. Wie arbeitet man also an der Bindung? Mittels körpernaher Spiele zum Beispiel. Dazu legen Sie sich auf den Boden, keine Sorge, Ihr überaus dominanter Hund wird Sie deshalb trotzdem noch ernst nehmen, so Sie ihm dafür ausreichend Gründe bieten. Auf dem Boden angekommen, üben Sie nun entweder einfache Tricks, kuscheln mit ihm oder stärken beispielsweise bei kurzen Zerrspielen sein Selbstbewusstsein. Auch bei den in letzter Zeit ach so bösen Zerrspielen, wird Ihr Hund nicht vom braven Familienhund zum bösen Allesbeißer mutieren. Sie kennen Ihren Hund am besten und sollten abschätzen können, ob Ihr Hund über ausreichend Selbstbewusstsein verfügt und dieses nicht durch solche Spiele weiter gestärkt werden muss, oder ob er teilweise doch recht unsicher ist und dadurch etwas an Sicherheit gewinnen könnte. Meine Dobermannhündin gewinnt immer bei Zerrspielen, gleich nachdem sie von der Couch gesprungen ist, und möchte trotzdem nicht die Weltherrschaft an sich reißen. Den eigenen Hund einschätzen zu können, ist sowieso Grundvoraussetzung für eine gute Partnerschaft auf Dauer. Je ausgiebiger Sie sich mit ihm beschäftigen, desto intensiver wird Ihre Beziehung zu ihm. Eine Mensch-Hund-Beziehung, bei der sich beide tatsächlich blind vertrauen können, ergibt sich nicht von heute auf morgen.

Es stimmt mich wirklich traurig, wenn die einfache Frage, ob der Hund Leckerlis oder einen Ball als Belohnung präferiert, gestellt und mit ahnungslosem Schulterzucken beantwortet wird. Wer, wenn nicht der Halter selbst, sollte das wissen? Wir erwarten uns von unserem Hund, dass er in den nächsten fünf bis sechs Monaten ein komplettes Übungsschema blind beherrscht und all unsere Übungen mit größter Sicherheit und Freude ausübt, sind aber selbst nicht bereit ein Minimum an Einsatz zu erbringen. Das ist dem Hund gegenüber nicht fair. Mittlerweile sehen Sie also vom raschelnden Plastiksackerl als Aufbewahrungsmöglichkeit ab und fühlen sich auch in der Beziehung zu Ihrem Hund soweit gestärkt, dass Sie sich bereit für die ersten Übungen auf dem Hundeplatzgelände fühlen. Diese sollten bitte nicht in einer fünfundzwanzigköpfigen Hundegruppe stattfinden. Der Nährwert eines solchen Kurses ähnelt in etwa dem einer getrockneten Reiswaffel. Zu Beginn des Trainings ist Ihr Hund alleine durch die für ihn völlig neue Umgebung extrem erregt, da müssen nicht zig weitere, ebenso erregte Vierbeiner das Ihre dazu beitragen. Solche Kurse enden meist nur in einem schier unendlichen Leinengezerre, ein wahrlich trauriges Ergebnis. Am besten wäre natürlich ein Einzeltrainer, der sich ganz auf die Bedürfnisse Ihres Teams einstellt. Leider ist dies eher die Luxusvariante, also wäre es wünschenswert, wenn Sie Ihre ersten Erfahrungen in der Ausbildung Ihres Hundes mit einer Gruppe aus maximal vier bis fünf anderen Hundehaltern teilen könnten. Auch hier gilt – eine solide Grundausbildung ebnet den Weg für spätere Erfolge. Die Gewandtheit begleitet Sie von der Begleithundeprüfung bis zur letzten Prüfungsstufe, der IPO 3, und natürlich im Alltag. Wir Hundehalter sind es unseren Mitmenschen zudem schuldig, unsere Vierbeiner entsprechend zu erziehen.

Über die nötige Genauigkeit bei der Ausübung der einzelnen Übungen entscheiden wiederum Ihre Ambitionen. Für die erste Begleithundeprüfung muss der Hund kein Fuß mit anhaltendem Blickkontakt laufen oder gar ein Apportholz über die Hürde apportieren. Können Sie sich aber Ihr Team bei der konkurrenzfähigen Ausübung des ABC- Sports gut vorstellen, sollten Sie von Beginn an auf konzentrierte, exakte Arbeit Wert legen um eventuelle Fehler später nicht mühevoll ausarbeiten zu müssen. Auch hier gilt – die Freude an der Arbeit des Hundes muss stets gegenüber der Teilnahme an Prüfungen oder Turnieren überwiegen.

Abteilung C

Sportschutz

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Sollten Sie Interesse an der Ausbildung Ihres Hundes im Sportschutz haben, das Verhältnis zu Ihrem Hund entsprechend gestärkt sein und er die Übungen der Gewandtheit gut beherrschen, besonders auch im Straßenverkehr (nur am Hundeplatz brav sein ist keine Leistung, der Hundeplatz ist hinsichtlich der Umweltreize verglichen mit dem Straßenverkehr nahezu steril), benötigen Sie dafür nun noch einen geeigneten Helfer. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Einen geeigneten Helfer zu finden, erweist sich mancherorts als die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mit dem Helfer steht und fällt Ihr vierbeiniger Partner. Das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden. Einen guten Helfer erkennen Sie am freundlichen und offenen Umgang mit ALLEN Trainingsteilnehmern. Sportschutzhelfer müssen verschiedenste Hundetypen kennen wie kaum jemand sonst, um das Wesen des einzelnen Hundes richtig einschätzen zu können und dementsprechend die Ausbildung zu gestalten. Nichts ist unpassender als eine Ausbildungsvariante ungeachtet der jeweiligen Rasse bei allen Hunden anzuwenden. Jede Rasse hat ihre ganz speziellen Fähigkeiten, ihr eigenes Temperament und ihre eigenen Ansprüche, die es gerade beim Sportschutz unbedingt zu berücksichtigen gilt. Wenn Sie ein komisches Gefühl dabei haben, lassen Sie es zum Wohle Ihres Vierbeiners bitte lieber bleiben. Sie haben sich mühevoll eine gute Beziehungsbasis zu Ihrem vierbeinigen Freund aufgebaut, diese soll nicht durch unüberlegtes Handeln gefährdet werden. Wenn Sie aber den richtigen Schutzelfer gefunden haben, kann dieser Sport für Ihren Hund eine großartige Bechäftigungsmöglichkeit sein. Der Vorteil liegt bei diesem Sport ganz klar darin, dass er hier seine natürlichen Veranlagungen auf artgerechte Weise in einem verantwortungsvollen und von Ihnen vorgegebenen Rahmen ausleben darf.

Größe ist im Sportschutz nicht entscheidend

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Infos dazu findest du hier:
http://www.yourdogmagazin.at/your-dog-ipo-camp/

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