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Bello, was sehen wir uns heute an?

In unserem Haushalt bestimmen generell die Menschen das Fernsehprogramm. Doch durch den neuen Kanal DogTV könnte der Kampf um die Fernbedienung neu ausgetragen werden.

Seit wenigen Tagen ist DogTV in Deutschland Teil von Entertain, dem Fernseh-Angebot der Deutschen Telekom, und wartet auf sieben Millionen potenzielle Kunden. So viele Hunde leben nämlich in deutschen Haushalten. Wer sich jetzt kulturell wertvolle Beiträge über das Hundeleben an sich erwartet, wird enttäuscht sein. Denn DogTV ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen speziell für Hundeaugen und -ohren konzipiert worden. Mag sein, dass Herrchen und Frauchen schnell gelangweilt sind, aber für unsere Hunde ist das Programm ideal. Gezeigt wird etwa ein Ball in Bewegung, andere Tiere oder Artgenossen, die über Wiesen tollen. Untermalt werden die Bilder von sanften Melodien eines einzigen Instruments.

DogTV wurde 2012 in Kalifornien entwickelt und dient keinesfalls zur dauerhaften Bespaßung des Hundes, sondern soll, laut Produzent, dem Vierbeiner das „Alleinsein“ erleichtern. Viele Hunde leiden unter Trennungsangst oder langweilen sich. Mit DogTV wird diese Eintönigkeit unterbrochen und der Wauz wird abgelenkt. Die YOUR DOG-Redaktion wollte es nun doch etwas genauer wissen und ging mit Hundetrainerin Kerstin Biernat-Scherf DogTV auf den Grund.

hundfernbedienung
Statt dem Spieli zukünftig die Fernbedienung?

YOUR DOG: Das „Alleinsein“ ist für viele Hunde ein Problem. Kann DogTV dem Vierbeiner wirklich helfen, Frauchen und Herrchen nicht ganz so stark zu vermissen?
Kerstin Biernat-Scherf: „Hunden hilft beim Alleinsein, wenn die Situation möglichst so gestaltet ist, wie wenn Frauchen oder Herrchen daheim wären. Läuft normalerweise der Fernsehapparat als Permanentbespaßung, kann er auch beim Alleinsein ein Gefühl von Altbekanntem erzeugen, das den Erregungspegel senken kann. Hunde müssen es aber gewohnt sein, dass es Hintergrundgeräusche gibt, dass das Radio läuft oder Hunde im Fernsehen über den Bildschirm flitzen, um sich dabei entspannen zu können. Falls das normal ist, wenn die Bezugspersonen zuhause sind, können die Geräte auch weiterlaufen, wenn der Hund alleine ist. Das ersetzt aber die Beschäftigung für das Abbauen von möglichem Stress nicht – dazu immer etwas zum Kauen geben, wenn das Haus verlassen wird, denn die Kaubewegungen fördern den Stressabbau und das Sofa bleibt eher verschont. Angst vor dem Alleinsein nur durch Fernsehen zu bekämpfen, wird nicht funktionieren.“

YOUR DOG: Ist es generell sinnvoll, dass man beim Üben des „Alleinseins“ ein Hintergrundgeräusch hinzuzieht (Radio, Fernseher etc.)?
Kerstin Biernat-Scherf: „Das Hinzuziehen eines Hintergrundgeräusches ist dann sinnvoll, wenn es auch da ist, wenn der Hund in Gesellschaft seiner Bezugsperson ist. Ein Radio oder einen Fernsehapparat nur dann einzuschalten, wenn der Hund alleine ist, kann ansonsten noch zusätzlichen Stress erzeugen. Dann könnte bereits das Einschalten des Radios einen Stressor darstellen, denn es signalisiert dem Hund, dass er nun alleine gelassen wird. Es spricht aber nichts dagegen, dem Hund unter gewohnten Bedingungen eine Geräuschkulisse zu bieten. Er kann im besten Fall besser entspannen und achtet nicht auf jedes Geräusch draußen. Sanfte Melodien sind dafür sicher gut geeignet. Ist der Hund noch jung, kann er alles lernen – routiniertes Alleinbleiben mit und ohne Fernsehprogramm.“

YOUR DOG: Wäre DogTV für Sie, oder besser gesagt für Ihren Hund, etwas?
Kerstin Biernat-Scherf: „Bei mir läuft so selten der Fernsehapparat, dass meine Hündin und ich ganz schön umlernen müssten, wenn das nun Routine werden sollte. Aber ich kenne viele Hundefreundinnen und -freunde, die sicher austesten würden, ob DogTV eine positive Wirkung auf ihre vierbeinigen Gefährten hätte. Die Zielgruppe sind sicher jene, die regelmäßiger und nicht nur nachts fernsehen. Und sicher auch nicht jene mit Hunden, die sich bei Artgenossen im Fernsehen furchtbar aufregen und alleine schon deshalb Hundetraining benötigen. Vielleicht gibt es ja demnächst Anfragen an mich, wie man Hunde ans Fernsehen gewöhnen könnte … ;)“

Bis dato gibt es DogTV in den USA, in Südkorea, Japan, Israel und Deutschland. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Programm auch für unsere Fellnasen angeboten wird. Spätestens dann ist nicht nur der Platz auf dem Sofa in Gefahr, sondern auch die allabendliche Fernsehgestaltung.

 

Kontakt:

Kerstin Biernat mit Bagheera
Mag. Kerstin Biernat-Scherf
zertifiziert als International Dog Trainer
kerstin@biernat.at
www.BagheerasWelt.at

 

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