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Clever Dog Lab

Jeden Tag verblüffen uns unsere Hunde erneut, etwa wenn sie genau zu wissen scheinen, was wir als Nächstes vorhaben, versteckte Dinge aufstöbern und auf einzigartige Weise mit dem Menschen kommunizieren. Doch was steckt dahinter? Haben sie vielleicht nur einfache Zusammenhänge erlernt, die sie zu nutzen wissen, oder beweisen ihre faszinierenden Verhaltensweisen tatsächlich komplexe kognitive Vorgänge? Wie steht es um die geistigen Fähigkeiten des Hundes im Vergleich zu denen anderer Arten? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftler am Clever Dog Lab in Wien.


Die Gründung des Clever Dog Lab fand in Gemeinschaft von Dr. Friederike Range, Dr. Zsófia Virányi sowie Prof. Ludwig Huber, in Assoziation mit dem Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien, bereits 2007 statt. Das Lab bezog seinen Sitz in der Nussgasse in Wien und wird seither nach wie vor als unabhängiger wissenschaftlicher Verein geführt. Gegen Ende des Jahres 2011 kam es jedoch zu einer Neuerung und das Clever Dog Lab wurde auf das Messerli-Institut für Mensch-Tier-Beziehung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien übersiedelt. Viele Hundebesitzer kommen gerne auf freiwilliger Basis regelmäßig mit ihren Vierbeinern zu Besuch, um an einer oder mehreren der verschiedenen im Lab durchgeführten Studien teilzunehmen. Durch das spielerische Lösen verschiedener Aufgabenstellungen tragen die tierischen Teilnehmer zu einer Fülle wissenschaftlicher Daten bei, während die Besitzer die Möglichkeit nutzen, Neues über das Lernvermögen ihrer Hunde zu erfahren sowie Wissenschaft hautnah mitzuerleben.

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VIELFÄLTIGE FORSCHUNGSBERICHTE
Die Themenbereiche der Forschung am Clever Dog Lab sind breit gefächert: Wie Hunde menschliche Gesten interpretieren können, was sie über physikalische Zusammenhänge verstehen, welchen Einfluss die Bindung zwischen Hunden und ihren Menschen hat und welche Zusammenhänge es zwischen Persönlichkeit von Hund und Halter gibt, sind nur einige der Fragestellungen, denen hier nachgegangen wird. Ein Hauptinteresse des Clever Dog Lab liegt vor allem auch in der vergleichenden Kognitionsforschung: Wie schneiden Hunde zum Beispiel im Vergleich mit menschlichen Kindern, Menschenaffen oder kleineren Primaten ab? So sind Hunde wahre Experten im Interpretieren menschlicher Gesten (etwa, wenn Menschen durch Zeigegesten andeuten, in welchem von zwei Behältern sich Futter befindet) und schlagen dabei sogar unsere nächsten Verwandten, Schimpansen, um Längen. Hingegen scheinen Menschenaffen Hunden beim Verstehen kausaler Zusammenhänge und im logischen Denken überlegen zu sein. Besonders spannend ist die Möglichkeit eines direkten Vergleichs von hündischem Verhalten mit jenem seines Vorfahren, des Wolfs (in Zusammenarbeit mit dem Wolf Science Center Ernstbrunn, www.wolfscience.at).

Berühmt wurde eine Studie, welche 2009 in der renommierten Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde: Sie zeigte, dass auch Hunde so etwas wie einen Gerechtigkeitssinn haben. So bleiben gut trainierte Hunde normalerweise zur Mitarbeit motiviert (wie etwa beim Pfotegeben), auch wenn sie keine Belohnung mehr erhalten. Sind sie aber mit einem Artgenossen zusammen, der für dieselbe Leistung ständig belohnt wird, während sie selbst leer ausgehen, verweigern sie bald die Mitarbeit. Eine weitere Studie aus dem Clever Dog Lab hat gezeigt, dass Hunde nicht nur durch Beobachtung Tätigkeiten eines anderen Hundes (oder auch eines Menschen) nachahmen können; sie tun dies nur dann, wenn ihnen das Verhalten ihres Artgenossen auch sinnvoll erscheint!

 

HUNDE AM COMPUTER

Einen besonderen Ansatz verfolgt die Arbeit am Computer-Touchscreen. So exotisch dies klingen mag – die Hunde sind mit Feuereifer bei der Arbeit, gilt es doch, Rätsel mit steigerndem Schwierigkeitsgrad zu knacken, um eine Futterbelohnung zu ergattern. Zunächst lernen sie, mit der Nase ein Symbol am Touchscreen anzustupsen und werden dafür automatisch mit einem Leckerli belohnt. Sobald das Prinzip begriffen wurde, geht es über zum nächsten Schritt, wo die Hunde lernen, zwischen zwei Bildern auszuwählen. Nur eines der Bilder wird belohnt; bei Wahl des falschen Bildes gibt es eine kurze Pause und keine Belohnung, doch haben die Hunde immer die Möglichkeit, ihre Erstwahl zu korrigieren und ihre Aufgabe somit positiv abzuschließen. Mithilfe des Touchscreens werden unter anderem Lerngeschwindigkeit, Gedächtnis und logisches Denkvermögen bei Hunden untersucht.

 

ENTWICKLUNG UND ALTERN

Ein Forschungsschwerpunkt liegt derzeit auf der Entwicklung geistiger Fähigkeiten im Laufe eines ganzen Hundelebens. So werden Hundverschiedener Altersklassen, jedoch derselben  Rasse (um Variationen der Resultate aufgrund typischer Zuchtmerkmale ausschließen zu können), in verschiedensten Tests hinsichtlich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit verglichen. Ziel ist es, herauszufinden, wie und wann sich verschiedene Fähigkeiten entwickeln beziehungsweise im Alter wieder nachlassen. Dafür werden Tests zu Lerngeschwindigkeit, Gedächtnis, geistiger Flexibilität, logischem Denken, Verständnis menschlicher Gesten und vielem mehr auch in Kombination mit dem Touchscreen durchgeführt. Die Hunde müssen etwa einen Testapparat manipulieren, um an eine Futterbelohnung oder ein Spielzeug zu kommen, den richtigen (futtergefüllten) Behälter anhand menschlicher Zeigegesten auswählen und viele weitere Probleme lösen, um eine Belohnung zu erhalten.

Ein weiteres Projekt aus dem Bereich der physikalischen Kognition befasst sich mit der Frage, wie Hunde ihre Umwelt verstehen. Im „Objektpermanenz-Experiment“ können sie beispielsweise zusehen, wie ein Ball in einer von drei Boxen versteckt wird und dürfen ihn anschließend suchen gehen. Mit steigerndem Schwierigkeitsgrad wird der Standort des Balls von einer Box in eine andere gewechselt oder in einem kleinen Behälter zur richtigen Box transportiert. Dies erfordert von den Hunden hohe Konzentration und die Fähigkeit, sich genau zu merken, wo sie den Ball zuletzt gesehen haben – das ist schwieriger als es klingt! In einem „Schnurzieh-Spiel“ wird das Verständnis von Hunden für Zusammenhänge untersucht. Sie müssen beispielsweise unter mehreren Schnüren jene Schnur auswählen, an der (unerreichbar hinter einem Zaun) ein Würstchen befestigt ist. Zusätzlich beeinflussen aber auch viele andere Eigenschaften den Umgang mit Problemaufgaben, angefangen mit Erfahrungen im Welpenalter (beispielsweise mit Intelligenzspielzeugen) bis hin zu Persönlichkeitsmerkmalen, Unterschieden in der Aufmerksamkeit oder Fähigkeit zur Impulskontrolle (manche Hunde sind so fixiert auf die Belohnung, dass sie sich nicht die Zeit nehmen, das Problem überhaupt zu betrachten, sondern starten los, ohne über die Handlung nachzudenken). Alle diese Variablen müssen in der Analyse berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass die Schlussfolgerungen aus den Experimenten auch korrekt sind und nicht etwa durch andere, nicht getestete, Faktoren beeinflusst wurden. Resultate dieser Studien können dazu beitragen, ein besseres Verständnis für die Lebensspanne des Haustiers Hund mit seinen verschiedenen Lebensabschnitten zu entwickeln und geben Auskunft darüber, wie sie mit Menschen kommunizieren und wie grundlegende Kontrollprozesse (etwa Motivation, Ausdauer und Aufmerksamkeit) kognitive Leistungen beeinflussen können.

Stefanie Riemer, Angela Gaigg, Lisa Wallis

KONTAKT:

„CLEVER DOG LAB“

Verein zur wissenschaftlichen Erforschung der Kognition und des Verhaltens von Hunden.

1090 Wien, Nussgasse 4/3

Tel. +43 1 319 00 05

E-Mail: cleverdoglab@gmail.com

www.cleverdoglab.at

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