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Der Briard – Individualist für Fortgeschrittene

Der Briard ist kein Anfängerhund. Doch weiß man ihn zu nehmen, bekommt man mit ihm einen echten Schatz, dem seine Familie über alles geht. Das Hüten liegt ihm immer noch im Blut. Daher ist er auch am liebsten immer und überall mit dabei.

Zwar ranken sich Mythen und Legenden um die Vorfahren des Berger de Brie, völlig eindeutige Hinweise fehlen jedoch. Möglicherweise geht der uns heute bekannte Briard auf einen altfranzösischen Hirtenhund zurück, der 1387 von Gaston Phoebus, Graf de Foix, als „Mastin“ beschrieben wird. Dieser Mastin wurde auf Bauernhöfen gehalten und einerseits als Viehhüter, andererseits aber auch als Jagdhund auf Bär und Wildschwein eingesetzt.

Abbé Rozier unterteilt 1809 in seinem „Cours d’Agriculture“ zwei Rassen, die langsam auf eine Reinzucht des Briard hinführen: Einen leichteren, beweglichen Hund der Ebene, der die Schafe hüten und führig machen musste – den Chien de Brie, aus dem sich schließlich der heutige Briard entwickelte. Und einen schwereren, kräftigen Hund der Berge, der die Herden bewachte und sie gegen angreifende Wölfe verteidigen konnte – den Mâtin, der als Vorläufer des Beauceron gilt. 1888 unterscheidet der Kynologe Pierre Mégnin beide Rassen ganz eindeutig und klar voneinander. So beschreibt er einen wolfsähnlichen, kurzhaarigen Hund mit glattem Gesicht als Chien de Beauce, während der Chien de Brie an Körper, Kopf und Läufen langes Haar aufweist. Zudem hält Mégnin die Einkreuzung des Barbet beim Briard für wahrscheinlich. Andere Quellen sehen den Pyrenäen-Schäferhund an der Rasseentstehung des Berger de Brie beteiligt.

Leistung vor Schönheit

Hauptaugenmerk legten die Züchter jedenfalls nicht auf Schönheit, sondern rein auf die Gebrauchseigenschaften der Hunde. Die offizielle Reinzucht des Briard begann ab 1896, wobei er bereits seit 1890 regelmäßig auf Ausstellungen vertreten war. 1897 wurde ein erster Standard erstellt. Anfangs zeigten die meisten Hunde noch natürliche Stehohren, andernfalls kupierte man die Ohren. Die späteren Hängeohren gingen möglicherweise aus Einkreuzungen anderer langhaariger Hirtenhunde hervor. Zeitweise gab es den Briard in zwei unterschiedlichen Haarvarianten: Zum einen wollhaarig und zum anderen mit langem, rauem Ziegenhaar. Letzteres Haarkleid setzte sich schließlich in der Zucht durch. Die beliebteste Fellfarbe war Schwarz, zusätzlich tauchte mit der Zeit Fauve und Grau auf.

Bis heute ist der Briard ein intelligenter Arbeitshund geblieben

1909 gründeten Rasseliebhaber in Frankreich den „Club des Amis du Briard“. Außerdem erfolgte eine Überarbeitung des Standards. In den beiden Weltkriegen erlebte die Rasse herbe Verluste. Sie machte sich aber auch einen Namen als Meldehund in der Armee.
Bis heute ist der Briard immer wieder als Wach- und Polizei- sowie als Rettungs-, aber auch Therapiehund anzutreffen. Sogar manche Schäfer besinnen sich erneut auf seine hervorragenden Hütehundeigenschaften, die er selbst als reiner Familienhund gerne unter Beweis stellt. Gerade auf Spaziergängen hält er seine „Schäfchen“ nämlich durch Umkreisen gut beisammen. Obwohl der Berger de Brie als Otto-Normal-Begleithund immer beliebter wird, darf nie vergessen werden, dass ihm das Arbeiten nach wie vor stark im Blut liegt. Und diese Veranlagung muss er auch ausleben können, um ausgeglichen und zufrieden zu sein.

Sein enormes Temperament, seine unbändige Energie, große Ausdauer und pfiffige Intelligenz verlangen also nach entsprechenden Aktivitäten, bei denen er stets mit vollem Eifer dabei sein wird. Hundesport aller Art kommt ihm hier beispielsweise sehr entgegen. Ebenso ist er ein sportlicher Freizeitgefährte, der seine Menschen gerne beim Joggen, Radfahren, Reiten oder Ähnlichem begleitet. Hauptsache Abwechslung und Beschäftigung (auch für seinen cleveren Kopf)! Ein gelangweilter Briard kommt schnell auf dumme Gedanken, sucht sich selbst eine Aufgabe, die unter Umständen in einem übersteigerten Wach- und Schutzverhalten enden kann. Der Beschützerinstinkt ist berufsbedingt generell noch relativ stark ausgeprägt. Er muss von Anfang an in die richtigen Bahnen gelenkt werden, ansonsten kann das Zusammenleben mit der Rasse rasch ungemütlich werden.

Der Artikel ist erschienen in Ausgabe 01/2021 .

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