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Der Dobermann – edler Kindskopf

Das athletische Gebäude und ein wacher Gesichtsausdruck verleihen dem Dobermann ein äußerst elegantes Aussehen. Seinerzeit als unbestechlicher Wach- und Schutzhund gezüchtet, zeichnet sich der Dobermann heute durch ein wesentlich freundlicheres Wesen aus. Doch hat die Rasse dieser Tage vor allem mit Freunderlwirtschaft und angeschlagener Gesundheit zu kämpfen.

(C) Annika Flor
Es war in einer Zeit, in der die Leute selbst nicht viel zu verlieren hatten. Wer nicht zur
wohlhabenden Gesellschaft zählte, musste seinen kargen Lebensunterhalt in schwerer körperlicher Arbeit verdienen und konnte selbst damit kein wirkliches Auskommen finden. Anders verhielt es sich in der Heimatstadt des Dobermanns in Apolda, die sich ab Ende des 18. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Industriestadt entwickeln sollte. Wie genau der Begründer des Dobermanns, Friedrich Louis Dobermann, damals seinen Unterhalt bestritten haben soll, ist nicht überliefert.

Scharfe Hunde für gefährliche Zeiten

Es gibt einige Thesen, die einerseits davon erzählen, dass er als Hundefänger in Apolda tätig gewesen sein soll. Andere wiederum behaupten, er war als Steuereintreiber auf den Schutz scharfer Hunde angewiesen. Und eine dritte wiederum besagt, dass Dobermann als Abdecker in Apolda unterwegs gewesen sein soll, was sich sogar durch einen entsprechenden Eintrag in einem Adressbuch aus dem Jahre 1882 bestätigen lässt. Am wahrscheinlichsten war er ein äußerst umtriebiger Bürger Apoldas, der sein Geld mit Tätigkeiten aller drei möglichen Sparten verdiente. Denkbar also, dass Friedrich Louis Dobermann im Rahmen seiner Arbeit als Abdecker immer wieder mit unterschiedlichen Hunden zu tun hatte und sich schließlich an die Kreuzung der Ahnen des heutigen Dobermanns machte. Neben den Vorfahren des heutigen Rottweilers, sollen sich Hütehunde, Vorfahren des Pinschers, des Manchester Terriers, der damaligen Jagdhunde aus dem Weimaraner-Raum sowie Vorfahren des heutigen Beaucerons unter den ausgewählten Hunden gefunden haben. Doch auch Greyhounds sollen einiger überlieferter Aussagen von Zeitzeugen zufolge dabei gewesen sein. Bereits nach kurzer Zeit festigte sich das tiefschwarze Fell mit rostroten Abzeichen als typisches Rassemerkmal. Ziel war es jedenfalls, einen unbestechlichen, mutigen und zähen Arbeitshund zu erhalten, der kompromisslos schützte und verteidigte. Dobermänner galten lange Zeit als besonders scharfe Hunde.
Nach dem frühen Tod von Dobermann im Jahre 1884,  waren es Otto Göller, Goswin Tischler und Gustav Krumbholz, die sich fortan der Weiterentwicklung der Rasse annahmen. Göllers Zwinger „von Thüringen“ und Tischlers Zwinger „von Grönland“ sollten die ersten Rassevertreter hervorbringen, die ins Zuchtbuch eingetragen wurden. Mit großem Durchhaltevermögen näherten sich diese Männer konsequent dem erklärten Ziel, ihre Rasse bekannter zu machen und weiterzuentwickeln. Bereits 1899 gründeten sie anlässlich der kynologischen Schau in Apolda den „Dobermann-Pinscher-Klub Apolda“. Der heutige Dobermannverein (DV) war somit geboren. Im darauffolgenden Jahr benannte man den Klub in „Nationaler Dobermann-Pinscher-Klub für Deutschland e.V.“ um, um bundesweite Gültigkeit zu erlangen. Zu dieser Zeit fielen bereits Würfe die sämtliche Fellfarben aufwiesen, neben den heute noch akzeptierten Farben schwarz und braun mit rotem Brand, auch die mittlerweile als Fehlfarben zuchtausschließenden Farben blau-rot und isabell. Da die Zucht noch in den Kinderschuhen steckte, gab es noch großen Verbesserungsbedarf, besonders was das Wesen anbelangte. Auffallend war jedoch,  dass schon die damaligen Rassevertreter trotz ihrer angezüchteten Schärfe im Umgang mit den familieneigenen Kindern besonders geduldig und umgänglich waren.

Der Dobermann – ein Tausendsassa

Die große Vielseitigkeit dieser neuen Hunde, ließ sie schnell überall beliebt werden. Denn neben ihren hervorragenden Eigenschaften als Wachhunde, machten sie tatsächlich auch bei der Jagd gute Figur. Doch genau diese Kombination an Charaktereigenschaften ließ den Dobermann in jüngeren Zeiten schnell zusehends unattraktiv werden, denn je schneller sich die Gesellschaft entwickelte, desto weniger waren Hunde mit Schärfe und Schneid gefragt. Niemand kann im zunehmend urbanen Gebiet einen Hund brauchen, der im Falle einer potentiellen Bedrohung nicht lange fackelt und Ernst macht. Züchter standen damit vor der Aufgabe, die einst so geschätzten Eigenschaften dieser Rasse zunehmend gesellschaftstauglicher zu züchten. Schärfe und Jagdtrieb mussten Alltagstauglichkeit und Ausgeglichenheit weichen.
(C) Sonja Geiger, Paulin von Mahuba

Vom scharfen Wachhund zum sportlichen Allrounder

Eine nicht ganz einfache Aufgabe. Der Dobermann von heute ist tatsächlich wesentlich verträglicher und in der Familie besonders treu, loyal und den Kindern ein ausnehmend geduldiger Gefährte. Doch wird die Rasse nicht zuletzt aufgrund ihres nicht mehr ganz so scharfen Aussehens, seit dem das Kupierverbot weiter verbreitet ist, oft völlig falsch eingeschätzt. Immer wieder finden sich gerade ein- bis zweijährige Dobermannrüden in Verkaufsanzeigen wieder, die aufgrund kompletter Überforderung schnellstens abgegeben werden müssen. Ein junger Dobermannrüde ist, bis auf wenige Ausnahmen, der Inbegriff an Lebensfreude, Energie, Temperament aber auch meisterhaft darin, seine Grenzen auszutesten. Dobermänner von heute sind zwar wesentlich verträglicher, doch braucht ein Dobermann eine konsequente und durchsetzungsstarke Hand, die ihm liebevoll aber bestimmt Regeln vermittelt und dessen Einhaltung einfordert.
Ein Dobermann ist kein Hund, der so nebenbei mitläuft. Wer ihn unterschätzt, wird schnell sehr unglücklich feststellen, dass dieser hoch intelligente Hund längst die Führung übernommen hat. Und beim Dobermann bedeutet das nicht ein alt hergebrachtes Märchen von Dominanz. Dobermänner sind sehr territorial veranlagt, wie jeder Hund, der seine Aufgaben im Bewachen und Beschützen von seiner Familie und dessen Grundstück versteht. Aus diesem Grund übernehmen Dobermänner gerne die wichtigen Aufgaben der Familie, wenn sie das Gefühl haben, dass das Familienoberhaupt dieser Aufgabe nicht gebührend nachkommt. Die Folge sind dann oft äußerst unangenehme Leinenpöbler, die sich nur sehr schwer wieder von der Idee abbringen lassen, die Familie beschützen zu müssen. Generell neigt die Rasse zur Unverträglichkeit mit fremden Hunden. Um dem von Beginn an vorzubeugen, ist der Besuch eines sehr guten Welpenkurses sicherlich ratsam, damit schon der kleine Dobermann einerseits lernt, sein überschäumendes Temperament etwas in Zaum zu halten, andererseits aber Selbstbewusstsein im Umgang mit anderen Hunden aufbauen kann. Denn so groß Dobermänner auch sind, viele sind unter ihrer nach Außen hin rauen Schale recht unsicher und agieren oft frei nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ im Umgang mit anderen Hunden.
Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 05/2019

 

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