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Fein gemacht! – Erziehung über Erfolgserlebnisse

Warum klappt Hundeerziehung bei dem einen schnell und leicht und beim anderen geht trotz Üben nicht viel weiter? Das Geheimnis hat einen Namen: Erfolgserlebnisse. Nicht umsonst hat der Psychologe und Lernforscher Edward Thorndike das Lernprinzip von Tieren als „Lernen am Erfolg“ benannt. Es ist bis heute die gültige Grundlage für jede Art von Tiertraining und beschreibt eine klare Regel: Der Hund macht das, was ihm den gewünschten Erfolg einbringt, häufiger und intensiver. Verhaltensweisen aber, die sich als erfolglos herausstellen, lässt der Hund bleiben.
Als Hundemensch hat man eine simple Aufgabe: Sicherstellen, dass sich für den Hund jene Verhaltensweisen lohnen, die vom Menschen gewünscht sind und die anderen nicht. Was auf dem Papier ganz logisch klingt, ist in der Praxis nicht ganz so einfach und das hat drei Gründe:

1. Fixiert auf den Fehler

Wir sind es gewohnt, Fehler wahrzunehmen und auf Fehler zu reagieren, die dann wieder „korrigiert“ werden müssen.  Wir fragen uns: Was tun, wenn der Hund am Zaun bellt oder wenn er Besucher anspringt oder wenn er beim Rückruf nicht sofort kommt. Dann ist es aber bereits zu spät. Der Fehler ist passiert und kann nicht rückgängig gemacht werden.  Da lässt sich auch nichts mehr „korrigieren“.
Der Hund lernt nun nämlich gleich zwei Dinge:  Sein Verhalten bringt ihm was – dass zum Beispiel der störende Passant am Zaun wieder verschwindet – und er bekommt zusätzlich Aufmerksamkeit von seinem Menschen. Jede Aufmerksamkeit, selbst Schimpfen, wirkt aber als Belohnung des Verhaltens.  Dabei wollen wir genau dieses Verhalten gar nicht haben.
Der Fehler liegt dabei nicht beim Hund. Aus seiner Sicht ist das logisch, was er tut:  Er macht ja nur das, was sich für ihn lohnt. Fertig. Es wäre die Aufgabe des Menschen, zu vermeiden, dass der Hund überhaupt was falsch macht und dadurch was Falsches lernt. Wir dürfen es erst gar nicht so weit kommen lassen. Der größte Fehler besteht darin, es überhaupt zum Fehler kommen zu lassen und nicht schon vorher das Verhalten in die richtigen Bahnen zu lenken.

2.  Menschliche Wahrnehmungsstörung

Dass wir so auf Fehler fixiert sind, hat seine Ursachen. Sogar logische. Wir sind es erstens nicht viel anders gewohnt. Die gesamte mitteleuropäischen Kultur und insbesondere das Schulsystem sind fehlerverliebt. Es fällt uns viel leichter, Fehler zu sehen und zu kritisieren, als Zweibeiner oder Vierbeiner dafür zu loben, was sie alles richtig machen.  Und zweitens ist unsere Wahrnehmung so gepolt, dass sie auf die sogenannte „Störung“ reagiert und nicht darauf, wenn alles normal läuft. Das führt dazu, dass der Hund leer ausgeht und keine Aufmerksamkeit bekommt, solange er alles richtig macht und nicht weiter „stört“, und wir erst dann aktiv werden, wenn der Hund gerade unangenehm auffällt und was falsch gemacht hat.

3.  Falsche Kontrolle

Wir haben nicht nur gerne Kontrolle, sondern auch eingetrichtert bekommen, dass wir den Hund in jedem Fall unter Kontrolle haben müssen. Dummerweise denken wir bei Kontrolle eher an Gehorsam oder Zwangsmethoden, die zur Anwendung kommen, wenn der Hund sich der Kontrolle zu entziehen droht.

Der Artikel ist erschienen in Ausgabe 01/2021 .

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