Start Hund Gesundheit Fütterungsfehler – erkennen und behandeln

Fütterungsfehler – erkennen und behandeln

Häufiger Durchfall, Blähungen oder ein stumpfes Fell können Anzeichen für Fütterungsfehler oder eine Futtermittelunverträglichkeit sein. Je nach Hund und Fütterung sind unterschiedliche Maßnahmen zu ergreifen. Welche Möglichkeiten sich Ihnen bieten, erläutert YOUR DOG-Autorin Anna Kleinfercher im Artikel.

bannerallergie

Zu Besuch bei meiner Freundin und ihrer Australian Shepherd-Hündin Cessy ist alles wie immer. Cessy versprüht in regelmäßigen Abständen hochkonzentrierte Dosen ihrer Duftnote „Eau de Toilette“. Was sich für uns Menschen auf ein unangenehmes Geruchserlebnis beschränkt, bedeutet für Hunde Blähungen und Unbehagen. Falsche Fütterung kann die Ursache vieler gesundheitlicher Probleme sein Dabei geht es gar nicht um die jeweilige Ernährungsform, sondern  – unabhängig davon ob es sich um Trocken- oder Feuchtfutter, selbst gekochte oder rohe Nahrung handelt – vielmehr um die jeweilige Zusammensetzung, Ausgewogenheit und Qualität der verwendeten Rohstoffe. Aber auch die Aufzucht des Welpen spielt später eine Rolle. Wurde er stets nur mit Trocken- oder Nassfutter, rohem oder gekochtem Fleisch ernährt, wird sein zukünftiger Besitzer es schwer haben, den Welpen an anderes Futter zu gewöhnen. Diese Hunde haben in der Regel nicht die Möglichkeit die sogenannte orale Toleranz aufzubauen. Hierbei geht es konkret darum, dass sich der Welpe bei der Entwöhnung auf die neue Nahrung gewöhnen, bzw. sein Körper eine gewisse Toleranz gegenüber der neuen (Nähr-)Stoffe aufbauen muss. Eine schrittweise und vor allem langsame Gewöhnung an möglichst viele unterschiedliche Ernährungsformen kann also noch beim Züchter helfen, späterer Ernährungssensibilität entgegenzuwirken.

Maßnahmen bei chronischen Verdauungsproblemen

  • kleinere Portionen füttern
  • häufigere Mahlzeiten im Tagesverlauf
  • Milchprodukte (Joghurt, Magerquark)
  • Getreidefreie Ernährung
  • Probiotika (als Nahrungsergänzung)
  • Kräuter (Löwenzahn, Fenchel, Süßholz, Minze)

Probleme des Verdauungstrakts

Speziell Hundesenioren reagieren recht empfindlich auf zu schnelle oder zu häufige Futterwechsel. Oft zeigen sich auch Viruserkrankungen oder vorübergehende Störungen als verantwortlich für auftretende Verdauungsprobleme. Gerade bei Hunden im fortgeschrittenen Alter ist es immer sinnvoll eine mögliche Ursache tierärztlich abzuklären. Manche Hunde sind generell ernährungssensibel und reagieren mit chronischen Verdauungsproblemen.

Häufige Blähungen

Leidet Ihr Hund auffallend oft an Blähungen, sollten Sie das nicht als lästig, aber nicht zu ändern abtun, sondern auf jeden Fall nach den Ursachen forschen. Überprüfen Sie zunächst die Zusammensetzung Ihres bisherigen Futters. Achten Sie bei Fertigfutter darauf, dass hochwertiges tierisches Eiweiß als Eiweißquelle genützt wird und der pflanzliche Anteil nicht überwiegt. Wenn der Anteil an Fasern, Getreide oder auch Milchprodukten zu hoch ist, reagieren Hunde oft mit Blähungen.

HILFE: Im Falle häufiger Blähungen kann das Verabreichen von frischem, grünem Blattgemüse Linderung verschaffen. Besonders wohltuend haben sich auch Minze, Anis, Sellerie oder Fenchelsamen erwiesen. 

Durchfall

Wenn der Vierbeiner ständig an Durchfall leidet, sollte er im ersten Schritt durchgehend 24 Stunden fasten, damit sich der gereizte Magen-Darm-Trakt beruhigen kann. Sorgen Sie bitte unbedingt dafür, dass er ausreichend frisches Wasser zur Verfügung hat. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist bei Durchfallerkrankungen essenziell! Nach dem 24h-Fasten können Sie Ihrem Hund kleine Portionen anbieten und zunächst abwarten, ob sich der Stuhl normalisiert hat. Ist dies der Fall, können Sie die Ration innerhalb der kommenden zwei Tage auf die gewohnte Menge anpassen.

HILFE: Bei akutem Durchfall helfen Kohletabletten oder Heilerde dem Darm, sich zu stabilisieren und zu entgiften. Zeigt Ihr Hund besorgniserregend oft Durchfall, sollten Sie ihn umgehend dem Tierarzt vorstellen und auf andere Erkankungen wie Bakterien- oder Pilzbefall oder Tumoren untersuchen lassen. Allergien oder Unverträglichkeiten könnten ebenfalls Auslöser von Durchfall sein. Sollte der Durchfall auch nach dem Fasten noch keine wesentliche Besserung zeigen oder gar blutig werden, ist der Weg zum Tierarzt unerlässlich!

Rezept WHO-Trinklösung (Elektrolyt bei Flüssigkeitsverlust)

1 l gekochtes Wasser
2/3 Teelöffel Salz
½ Teelöffel Backpulver
400 ml Apfelsaft
4 Teelöffel Honig od. Traubenzucker

Morosche Karottensuppe (Hausmittel bei Durchfallerkrankungen)

500 g Karotten (unbehandelt)
1 knapp gestrichener Teelöffel Salz
Die Karotten 1 Stunde in 1 Liter wasser kochen, danach pürieren. Mit gekochtem Wasser wieder auf 1 Liter Flüssigkeit auffüllen. Zuletzt noch den Teelöffel Salz hinzufügen und auf mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt verabreichen.

Verstopfung

Bei häufiger Verstopfung kann der Faseranteil im Futter zu gering sein. Wenn Hunde gebarft werden, ist eine zu häufige Gabe von Knochen oft Auslöser des sogenannten Knochenkots. Der Hund kann dann nur noch unter großer Mühe Kot absetzen, der mehr staubig als fest und von sehr heller (fast weiß) Farbe ist.

Auch wenn der Hund an verstopften Analdrüsen leidet, sollte der Faseranteil erhöht werden.

HILFE: Speziell bei Hunden, die an Skeletterkrankungen im Hüft- oder Wirbelsäulenbereich leiden, muss ein zu fester Stuhl strikt vermieden werden, um mögliche Schmerzen durch das starke Pressen zu vermeiden. Erste Maßnahme kann die Gabe von Kokosflocken, geriebenen Äpfeln oder Karotten, in Kombination mit reichlich Öl, sein. Wer seinen Hund barft, kann den Anteil des Gemüses erhöhen, um weitere Verstopfungen zu vermeiden. Vorsicht ist geboten, wenn der Hund länger als 48 Stunden überhaupt keinen Kot absetzt. In dem Fall sollten Sie schnellstmöglich einen Tierarzt konsultieren. 

Erbrechen

Leidet der Hund an einem akuten Brechreiz, hilft auch in diesem Fall ein bis zwei Tage totales Fasten. Wichtig ist natürlich auch hier, dass der Hund jederzeit frisches Wasser zur Verfügung hat. Wenn Hunde speziell morgens immer wieder (gelblichen) Schaum erbrechen, kann dies ein Hinweis auf Übersäuerung sein. Hier muss der Säure- und Basen-Haushalt wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

HILFE: Nach zweitägiger Fastenpause können kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten in suppiger Form und möglichst lauwarm gegeben werden. Rohfaserreiches Futter sollte anfangs vermieden werden. 

Appetitlosigkeit

Bei mangelndem Appetit müssen zunächst andere Erkrankungen wie Verletzungen oder auch (schmerzhafte) Zahnprobleme ausgeschlossen werden. Wenn der offensichtlichen Appetitlosigkeit keine organische Ursache zu Grunde liegt, haben Sie sich eventuell einen besonderen Feinspitz erzogen. Vielen Hundehaltern frisst ihr Liebling gar nicht schnell genug, sodass sie immer etwas noch Besseres daruntermischen, bis der Hund irgendwann gar nicht mehr ohne „Affenzirkus“ frisst. Es soll Hunde geben, die nur vom Löffel fressen.

Allergien

Wenn der Organismus gesund ist, kommt er in der Regel mit sämtlichen Umweltstoffen gut zurecht. Durch eine Überreaktion des Immunsystems auf diese Umweltstoffe, werden Allergien ausgelöst. Die Reaktionen können extrem vielfältig sein und verschiedenste Bereiche betreffen. Von einem Juckreiz bis hin zu einem anaphylaktischen Schock ist alles möglich. Immer mehr Hunde leiden an akutem Juckreiz. Durch das ständige Kratzen und Beißen können weiters Sekundärinfektionen und Hautveränderungen hinzukommen. Die bekannteste Form ist die Demodikose, die keinerlei Juckreiz zeigt und durch Sekundärinfektion hervorgerufen wird. Neben Nahrungsbestandteilen (Gluten, Soja, Mais, Weizen) können auch Ektoparasiten (z.B. Milben oder Flöhe) Auslöser sein.

HILFE: Fischöle (Lachsöl, Dorschlebertran) tragen zur Linderung von Hauterkrankungen bei. Brennnesseln, Schafgarbe, Klettenwurzel oder in kleinen Mengen auch Knoblauch sind ebenfalls hilfreich bei Allergien. Kontaktieren Sie am besten einen fachkundigen, ganzheitlichen Ernährungsberater für eine bedarfsoptimierte Kur. 

Allergie / Unverträglichkeit

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf das jeweilige Allergen. Bei Unverträglichkeiten hingegen ist der (Hunde-)Körper, aufgrund beispielsweise mangelnder Enzyme, nicht in der Lage einen bestimmten Stoff zu ertragen oder zu verwerten.

Ursachen für Allergien

  • unnatürliche Haltung
  • übertriebene Hygiene und Parasitenbekämpfung
  • Impfungen
  • genetische Disposition
  • allgemeine Immunschwäche
  • Umweltverschmutzung

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 04/2015

Sag uns Deine Meinung...