Start Highlight Gerettet – und nun? Die Tücken des Auslandstierschutzes

Gerettet – und nun? Die Tücken des Auslandstierschutzes

Der Auslandstierschutz boomt wie noch nie. Die Foren und Facebookgruppen werden überschwemmt mit Vermittlungsanzeigen hilfesuchender Hunde, die ihr trauriges Dasein in ungarischen Tötungsstationen oder spanischen Pereras fristen. Auch wenn die Rettung eines ausländischen Hundes gerade in Mode scheint, ist den wenigsten Hunden mit einem „Nachhause“-Holen, den tausenden Streunern und Tierheimhunden vor Ort schon gar nicht, geholfen.

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Der im Internet vermittelte Eindruck, dass so viele Hunde aus dem Auslandstierschutz wie noch nie unterwegs sind, bestätigt sich in den Hundeparks und Auslaufzonen. Aika und Mozart werden von unverständlichen ungarischen, kroatischen, spanischen und griechischen Namen abgelöst und laut aber stolz durch die Hundezone, dem mobbenden aber geretteten Hund hinterhergerufen. Dass der gerettete Hund gerade macht, was er in seinem Leben vor der Rettung gelernt hat um in den Straßen Griechenlands zu überleben, nämlich sich rücksichtslos zu behaupten, erkennt das stolze Not-Frauchen leider nicht. Ihr wäre zwar schon aufgefallen, dass ihr „Paragoulis“ recht ruppig zu anderen Hund ist, doch könne ihm das keiner verübeln, er ist erst seit vier Monaten in Deutschland und müsse sich noch eingewöhnen. Paragoulis ist traumatisiert, glücklicherweise konnte man ihn aber einfangen und mittels Flugpaten bis vor Frauchens Haustüre nach Düsseldorf schippern. Beim Anblick seiner Anzeige musste das Not-Frauchen einfach handeln. Er war als Notfall auf der Homepage des Vereins angegeben. Man müsse noch viel mit ihm arbeiten aber er wäre sehr lernfreudig.

Das Not-Frauchen hatte schon einen schwierigen Schnauzer gehabt und wüsste daher was zu tun wäre „Diese Hunde brauchen viel Liebe und Geduld. Sie sind so dankbar, dass man sie gerettet hat“ erzählt sie. Ich beobachte Paragoulis wie er sich einem anderen Hund zuerst in den Weg stellt, ihn an den Zaun des Platzes drängt und ihm den Kopf auf die Schulter presst. Das Not-Frauchen erzählt, dass er manchmal unter Zerstörungsanfällen leiden würde. Neulich, das wäre ihr etwas unangenehm zu erzählen, hat er die Kopfstützen im Auto zerfetzt. Aber es war ihre Schuld, sie war zuvor nicht lange genug in der Hundezone mit ihm gewesen.

Das Trauma beginnt oft erst nach der Rettung

Das Hauptproblem beim Auslandstierschutz ohne Grenzen ist der eklatante Mangel an fachkundigen Personen. Ein Großteil der ehemaligen Streunerhunde aus dem süd- und osteuropäischen Ausland ist sicherlich traumatisiert. Ein solch traumatisierter Hund kann aber die Hölle auf Erden durchleben, wenn er sich nach der Rettung in vermeintlich kompetenten Händen wiederfindet. Allein der Alltag mit all seinen uns vertrauten Reizen wie Radfahrern, Kinderstimmen, Straßenverkehr etc. stellt die Tiere vor eine harte Probe. Einem solchen Hund die Angst vor all diesen, für uns so selbstverständlichen, Dingen zu nehmen, erfordert  viel Erfahrung im Umgang mit Angsthunden. Ist diese nicht gegeben oder fehlt das Verständnis dafür, dass an der Angst des Hundes aktiv gearbeitet werden muss um dem Hund tatsächlich ein stressfreies Leben zu ermöglichen, gleicht die Übernahme eher einem Verwahren.

Tierschutz vs. Tierhalter

Häufig liegt der Ursprung der Probleme schon in der Beschreibung des jeweiligen Hundes. Einerseits verständlich, dass ein Verein unschöne Tatsachen wie „hat bereits geschnappt“, „seine Jagdpassion erfordert viel Wissen und Training“ oder ähnliches aus Angst vor der möglicherweise abschreckenden Wirkung nicht gerne schreiben oder harmloser formulieren. Andererseits ist dem Tier damit nicht geholfen, da sich sehr viele Hundehalter beim Anblick eines notleidendes Hundes einreden, dass sie der Situation bestimmt gewachsen sein werden, nur um ihn zu retten.

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 03/2016

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