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Hundepersönlichkeiten – Macho, Mimose oder Mauerblümchen?

Hätten Sie gewusst, dass die Wissenschaft inzwischen Optimisten von Pessimisten auch bei Hunden unterscheidet. Die Persönlichkeiten sind auch unter Hunden so vielfältig wie die Hunde selbst. Zwar ähneln sich Hunde innerhalb eines Wurfes vor allem in optischen Aspekten, doch lassen sich in jedem Wurf ganz unterschiedliche Persönlichkeiten finden, vom Draufgänger, der als Erster den Garten erkundet, bis zur schüchternen Mimose, die auf Nummer sicher gehen will.

Ein oft gehörter Satz lautet „der Welpe sucht sich seine Leute aus“. Das mag auf den ers-
ten Blick stimmen, spätestens aber seit die Wissenschaft ganz klar auch bei Hunden unterschiedliche Persönlichkeiten erforscht hat, erscheint es wahrscheinlicher, dass sich besonders kühne Welpen ihre Menschen aussuchen, während vorsichtigere Persönlichkeiten in der Wurfkiste das Geschehen lieber im Hintergrund beobachten.
Adam Miklósi, ein ungarischer Verhaltensbiologe mit Schwerpunkt Verhalten von Hunden, definiert die Persönlichkeit durch ein „Spektrum an Verhaltensmerkmalen“, als Ergebnis von genetischen und umweltbedingten Einflüssen. So spricht man auch von der Reifung der Persönlichkeit, da sich diese, anders als beispielsweise das Wesen bzw. das Temperament des Hundes, erst im Laufe der ersten Lebensmonate durch ganz unterschiedliche Einflüsse entwickelt.

Die Bedeutung von Umwelteinflüssen und Epigenetik

Besonders großen Einfluss auf die Persönlichkeiten haben Umwelteinflüsse, die der Welpe in seinen ersten Lebenswochen erfährt. Haltungsbedingungen beim Züchter sowie der Umgang und die Erziehung durch die Mutterhündin prägen die Persönlichkeit jedes Welpen nachhaltig. Ebenso geht man davon aus, dass auch die pränatale Phase, die Phase vor der Geburt also, wesentlichen Einfluss auf Wesen und Persönlichkeit eines Hundes nimmt. Die Bedeutung der Epigenetik rückte in den letzten Jahren vermehrt in den Mittelpunkt des Interesses von Genetikern und Verhaltensbiologen. Epigenetiker gehen inzwischen davon aus, dass bestimmte Einflüsse bestimmte Gene an- und/oder ausschalten. Doch für genauere Erkenntnisse, wie diese Einflüsse tatsächlich auf die Genetik wirken, bedarf es noch weiterer Forschung.

 

Miklósi sieht besonders in den Bereichen des „Denkens, Fühlens und Verhaltens“ große Auswirkungen von Umwelteinflüssen während der Reifung. Der bekannte österreichische Biologe und Verhaltensforscher Kurt Kotrschal definiert als Persönlichkeit „die Gesamtheit an Wesenszügen, Verhaltensmerkmalen und Neigungen, die über längere Zeiträume und unterschiedliche Situationen hinweg relativ stabil gezeigt werden und damit ein Individuum unverwechselbar machen“. Und diese Verhaltensmerkmale, Wesenszüge und Neigungen sind eine Kombination aus genetischer Disposition sowie erworbener Merkmale.

Individuelle Persönlichkeiten verlangen individuelle Erziehung & Haltung

Sich dessen bewusst zu sein ist deshalb so wichtig, weil es unterstreicht, wie bedeutend auch eine individuelle, auf die Persönlichkeit des Hundes abgestimmte Erziehung ist. Ebenso sollten die Haltung und auch Ernährung individuell auf den Vierbeiner angepasst werden. Denn während für den einen Hund eine längere Verweildauer im Garten womöglich mit Verlustängsten einhergeht, genießt ein anderer selbstständiger Typ Hund das Alleinsein in vollen Zügen. Und wer sich darüber im Klaren und ganz bewusst im Umgang mit seinem Hund ist, wird schnell auch ein Gespür für seinen Hund entwickeln. Denn nur wer erkennt, womit er es zu tun hat, kann eine passende Antwort auf mögliche problematische Verhaltensweisen wie Unruhe, Nervosität, Hektik, Ängstlichkeit, Unsicherheit finden.

 

Mit der Welpenstube und der Auswahl der Zuchthunde ist der Grundstein beim Züchter gelegt, mit dem Einzug im neuen Zuhause liegt die Verantwortung beim Hundehalter ein Umfeld zu schaffen, die die Anlagen des Hundes zu Stärken machen. Gleichzeitig zeigt aber gerade auch die beim Haushund konsequent betriebene Rassezucht, wie kontinuierlich sich erwünschte Rasse- bzw. Verhaltensmerkmale stärken und andersrum unerwünschte Eigenschaften eliminieren lassen. So lässt sich mit einigermaßen hoher Wahrscheinlichkeit voraussagen, dass sich ein Malinois von entsprechenden Blutlinien stammend, in den richtigen Händen zu einem talentierten Sportgebrauchshund entwickeln wird. Mut, Kühnheit sowie Durchsetzungsvermögen sind den meisten Hunden dieser Rasse in die Wurfkiste gelegt. Ob sich der Malinoiswelpe letztlich tatsächlich zu einem herausragenden Sporthund entwickeln wird, hängt nicht zuletzt auch vom durch den neuen Halter neu geschaffenen Umfeld ab. Fördert dieser die vorhandenen Anlagen optimal weiter oder verbietet er dem kühnen Welpen durch einschüchternde und harsche Zurechtweisung, seine Welt draufgängerisch zu entdecken. Durch falsche Haltungsbedingungen kann der mutigste Welpe zur unsicheren Mimose werden und umgekehrt kann die empfindlichste Mimose in einem Umfeld, das sie unterstützt, ihr Selbstbewusstsein schenkt und sie bestärkt, zumindest zu einer kühnen Mimose werden. Aus diesem Grund ist es gerade für noch unerfahrene Hundehalter ratsam, bei der Wahl des richtigen Welpen auf den Züchter zu vertrauen, der die Hunde seit mehreren Wochen täglich beobachtet.

 

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 04/2020

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