Start Highlight Im Rasseportrait: Faszination Wolfhunde

Im Rasseportrait: Faszination Wolfhunde

Ob „Der mit dem Wolf tanzt“, „Rotkäppchen und der böse Wolf“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Wölfe spielten schon immer eine wichtige Rolle in diversen Märchen, Geschichten und Sagen. Auf der einen Seite wurden sie verteufelt, auf der anderen Seite vergöttert. Im Mittelalter war man zum Beispiel der Ansicht, dass sich vom Teufel besessene Menschen zu Mitternacht in blutrünstige Werwölfe verwandeln würden. Die Ägypter hingegen verehrten den Wolf als Gott des Totenreichs. Egal welche Ansichten vertreten wurden, diese Tiere übten schon immer eine ungemeine Faszination und Neugierde bei uns Menschen aus. 

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Sarloos Wolfhund (SWH)
Reserviert und eigenwillig

Robust, gesund, intelligent und mit den scharfen Sinnen eines Wolfes. Dies verkörpert eine weitere eindrucksvolle Verpaarung von Hund und Wolf.

In den 1920er-Jahren wollte der Niederländer Leendert Saarloos als bekennender Liebhaber des deutschen Schäferhundes eine Rasse ohne Degenerationserscheinungen züchten, die sich in weiterer Folge hervorragend als Gebrauchs- Fährten-, Rettungs- oder Blindenhund eignen solle. 1930 nahm er die Verwirklichung seines Traumes schließlich in Angriff und paarte eine Grauwölfin mit dem Deutschen Schäferhund namens Gerard van Fransenum.

Dem Wolf näher als dem Hund

Die Ausbildung der Tiere zum Gebrauchshund erwies sich allerdings als nahezu unmöglich. Auch die Ausbildung zum Polizeihund war zum Scheitern verurteilt. Der Saarloos Wolfhund zeichnet sich zwar durch seine Selbstständigkeit aus, besitzt aber keinerlei Kampfinstinkt.

Die Ursache für das Misslingen liegt am genetisch tief verankerten Fluchttrieb der Wölfe. Dieser erwies sich als erblich dominant gegenüber dem „Beschützer“-Trieb des Schäferhundes. Die Rasse wurde kurz nach dem Tod Sarloos registriert und nach ihm benannt. Sie ist leichter abzurichten als andere Wolfshunde und eignet sich hervorragend als Wachhund.

Das äußere Erscheinungsbild und die Art sich zu bewegen erinnern stark an einen Wolf. Der Sarloos besitzt einen überaus scharfen Sinn und eine äußerst ausgeprägte Körpersprache. Sein Jagdtrieb ist außerdem nur schwer zu kontrollieren. Fremden  gegenüber verhält er sich reserviert – eine Eigenschaft, die für den Wolf in seiner natürlichen Wildbahn überlebenswichtig ist. Für die richtige Erziehung braucht es eine starke Führung und viel Hingabe.

Der Sarloos Wolfhund bleibt nicht gerne allein und ist darüber hinaus sehr fixiert auf seine Familie (Rudel). Er kann sehr erfinderisch sein, wenn es darum geht, zu seinem Rudel zu gelangen oder seinen Kopf durchzusetzen. Seine Panik endet nicht selten in einer riesigen Zerstörungswut.

Tschechoslowakischer Wolfhund (TWH)
Widerstandsfähig und treu

Wir schreiben das Jahr 1955. Deutsche Schäferhunde erlangten zu dieser Zeit eine ganz besondere Bedeutung für den Grenzschutz in der Tschechoslowakei. Leider galt die Rasse unter den teils harten und kalten Bedingungen als nicht sehr krankheitsresistent und robust. Auf Grund dessen überlegte man eine Rasse zu entwickeln, die sowohl mit den enormen Schneemassen als auch mit den extremen Höhenlagen der Grenzgebiete zurechtkommt. So kam es schließlich, dass der Biologe Karel Hartl erstmals auf die Idee kam, Karpatenwölfe mit Deutschen Schäferhunden zu kreuzen. Somit sollten der Gehorsam und die Gelehrigkeit der Schäferhunde mit dem Temperament und der Widerstandsfähigkeit der Wölfe vereint werden.

Erst mit der 5. Generation (die sogenannte F5) dürfen die Tiere als Hunde bezeichnet werden. Da der wolfsähnliche Anteil bis dahin noch relativ hoch ist, spricht man bis zur vierten Generation von Wolfshybriden. Zwar erzielte man mit der Paarung die gewünschte Ausdauerfähigkeit und Stärke des Wolfes, jedoch erwies sie sich nach der Kreuzung auch als sehr menschenscheu und schreckhaft. Auch die Schärfe der Schäferhunde war fast gänzlich verloren gegangen. Dies waren Eigenschaften, die für einen optimalen Grenzschutz natürlich nicht zu gebrauchen waren. So kam es, dass die Armee ihren Auftrag für die Züchtung zurückzog. Da die Menschen aber fasziniert von dieser anmutigen Rasse waren, war man drauf und dran eine komplette Ausrottung zu verhindern. Die letzte Kreuzung fand schließlich 1982 statt. Im selben Jahr noch wurde der Tschechoslowakische Wolfshund durch die Zuchtverbände der CSSR als nationale Rasse zugelassen und 1999 erfolgte die endgültige Anerkennung durch die FCI.

Hunde, die heulen, beißen nicht

Die Rasse sieht nicht nur optisch aus wie ein Wolf, sie verhält sich auch so. Zwei wolfsnahe Erben des Tschechoslowakischen Wolfshundes sind das Heulen und die Tatsache, dass Hündinnen nur einmal im Jahr läufig werden. Sie zeichnet sich durch einen starken Rudeltrieb aus und ist außerdem sehr schnell gelangweilt. Daher sollte ein abwechslungsreiches und strukturiertes Training mit Frauchen und Herrchen tägliches Programm sein. In der Erziehung ist es außerdem wichtig, ihn sehr früh an andere Menschen zu gewöhnen und zu sozialisieren, um ihm so die wolfstypische Scheue und Angst vor dem Fremden zu nehmen. Wer einen Tschechoslowakischen Wolfshund halten möchte, braucht viel Hundeerfahrung und Kenntnis in Wolfsverhalten ist von großem Vorteil.

Kritische Stimmen bei der Zucht und Haltung von Wolfhunden

Die Zucht der Wolfhunderassen wird gerade von Experten aber sehr kritisch gesehen. Zwar handelt es sich bei den Rassen Tschechoslowakischer Wolfhund und Saarloos Wolfhund um durchgezüchtete Haushunde, doch treten immer wieder neue Kreuzungen zwischen Wolf und Haushund in Erscheinung. Es wirkt, als ginge es manchen nur darum ihren eigenen Stempel einer „neuen“ Rasse aufzudrücken. Denn das Ziel, dem Wolf in Charakter und Erscheinung in vernünftiger Weise so nah wie möglich zu kommen, konnte mit den beiden anerkannten Rassen erreicht werden. Trotzdem gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichsten Wolfhund-Kreuzungen. Dass die Haltung der frühen Filialgenerationen (F-1 bis F-4) nur wenig sinnvoll und mit vielen Variablen verbunden ist, haben auch die beiden anerkannten Wolfhundrassen in ihrer frühen Entstehungsgeschichte gezeigt. Der TWH beispielsweise galt als unberechenbar und für die militärischen Dienste wenig geeignet, da er zwar ein guter Arbeitshund war, jedoch im Schutzdienst durch die hohe Unsicherheit, die der Anteil des Wolfes mit sich brachte, recht schnell zu aggressiv wurde. Obwohl Fans der verschiedensten Kreuzungsversuche immer wieder bestätigen, dass die Haltung keinerlei Probleme bereiten würde, sieht man die Hunde auf Fotos überwiegend angebunden oder wenn frei, dann ausschließlich in ausbruchssicheren Gehegen. Ob das einem artgerechten Leben und dem Ruf der Wildnis gleichkommen kann? Die natürliche Tendenz zur Flucht bei Unbekanntem macht eine Haltung eines solchen Hybriden somit zur Tierquälerei.

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 03/2015

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