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Landeier vs. Citydogs – sind Hunde in Wohnungen wirklich „arm“ und leben sie am Land doch das bessere Leben?

Immer wieder hören wir Sätze wie: „Wenn wir einen Garten haben, dann nehmen wir uns einen Hund“ oder „die Hunde in Wohnungen sind doch arm“. Aber ist das wirklich so? Haben die Hunde am Land wirklich ein besseres Leben? Und sind die Hunde in der Stadt tatsächlich „arme Schweine“?

Laut offiziellen Angaben sind in Österreich rund 550.000 Hunde registriert, wobei sich die Schätzung des Österreichischen Kynologenverbandes (ÖKV) auf insgesamt 665.000 Hunde einpendelt. Man könnte Österreich also – zumindest gegenüber anderen Ländern – als ein durchaus hundefreundliches Land bezeichnen – auch wenn die Katze mit 2 Millionen dem Hund den Rang abläuft.

Leben Landeier besser als Citydogs?

Statistiken besagen außerdem, dass mehr als die Hälfte der Hunde bereits im städtischen Bereich gehalten wird. Also laut Meinung vieler Menschen nicht „artgerecht“. Aber ist eine artgerechte Haltung in unserer zivilisierten Zeit überhaupt möglich und geht es den Landeiern wirklich so viel besser als den Citydogs?
Vielleicht sollten wir uns einfach mal bewusst machen, dass Hunde genauso wie wir Menschen sehr unterschiedliche Charaktere und Individuen sind. So wie es Menschen gibt, die gerne auf dem Land leben, gibt es Menschen, die bei so viel „Grün“ lieber wieder in die Stadt flüchten.

Alltag im urbanen Umfeld

Zugegeben gibt es Hunde – insbesondere, wenn sie die Stadt nicht kennen – die mit den umfangreichen Umweltreizen (also mit lauten Geräuschen, vielen Menschen, unterschiedlichsten Gerüchen und dem weniger Grün) Probleme haben. Spazierengehen zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autos stresst selbst viele von uns Menschen. Erschwerend dazu kommt noch, dass Hunde auch Tonhöhen registrieren, die ein Mensch nicht wahrnehmen kann. Um sich das besser vorstellen zu können: Menschen nehmen Geräusche von 20 bis 20.000 Schwingungen pro Sekunde wahr, während ein Hund Geräusche von circa 15 bis 50.000 Schwingungen pro Sekunde wahrnimmt. Also eine ganz andere Bandbreite. Aufgrund dieser Tatsache kommt es häufig, ausgelöst durch Stress, zu Cortisolausschüttung (Stresshormon) und dadurch zu einer Erhöhung der Muskelspannung und eventuell auch zur Erhöhung des Herzschlags und des Blutdrucks. Demnach ist eine ausreichende Sozialisierung auf diese Reize unbedingt erforderlich und hängt von den Bemühungen des Halters ab, wie gut der Hund mit den Reizen umzugehen lernt. Eine langsame Gewöhnung wäre hier natürlich von Vorteil. Zudem ist es wichtig, dass der Mensch neben seinen normalen Runden seinem Hund zumindest – einmal am Tag – genügend Auslauf in einem Freilaufgebiet oder einer Freilaufzone gönnt. Da es in der Stadt häufig zu Begegnungen mit Artgenossen kommt, ist es auch sinnvoll, diese zu üben. Zudem ist es gerade in der Stadt sinnvoll, auf eine gute Leinenführigkeit zu achten und darauf, dass der Hund andere Menschen und andere Hunde nicht belästigt. Generell sollte sich der Mensch zudem überlegen, ob es immer sinnvoll ist, den Hund in den größten Trubel mitzunehmen.
Ein Einkaufssamstag auf der Wiener Mariahilferstraße ist wohl für jeden Hund (oft auch für uns Menschen) mehr Stress als ein Nachmittag auf dem Sofa.
Und natürlich gibt es auch Vorteile für ein Leben mit Hund in der Stadt. Zumeist ist man schnell überall – auch im Park und viele Wege können gut zu Fuß mit dem Hund unternommen werden – auch der Weg zum Tierarzt. Zudem treffen sich viele Hundebesitzer im Park oder anderen Freilaufflächen, um ihren Hunde was zu bieten und der menschliche Kontakt kommt auch nicht zu kurz. Man hat ja auf jeden Fall gleich ein gemeinsames Thema.

Auswahlkriterien für einen Citydog

Bei der Auswahl des Stadthundes würde ich nicht unbedingt auf die Größe des Hundes Acht geben. Auch wenn der Besuch eines Restaurants mit einem kleineren Hund einfacher ist. Es kann durchaus ein großer Hund auch in einer kleineren Wohnung gehalten werden, wenn man dem Hund genügend Abwechslung, Auslauf bzw. Beschäftigung bietet. Ich würde bei der Auswahl eher das Temperament, die Anpassungsfähigkeit und die Charaktereigenschaften des Hundes in Betracht ziehen. Damit meine ich, ich würde mir ansehen, für welche „Arbeit“ die Hunde vormals gezüchtet wurden und eher Hunde, die einen absoluten Arbeitsauftrag hatten/haben – wie z. B. Beschützen von Herden – bei meiner Wahl ausscheiden.
Der Artikel ist erschienen in Ausgabe 02/2021 .
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