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Praxischeck – Welpenschule

Der Welpe zieht ein – eine aufregende Zeit beginnt. Gerade in den ersten gemeinsamen Tagen mit dem neuen Familienmitglied, ergeben sich viele Fragen. Am meisten Gedanken machen sich Hundehalter um die Erziehung ihres kleinen Lieblings. Sie wollen am besten vom ersten Tag an alles richtig und möglichst nichts falsch machen. Oft führt der Weg bereits kurze Zeit nach dem Einzug des Welpen in die nächste Welpenschule und ebenso oft wird der Welpenkurs nach wenigen Wochen abgebrochen. Ich habe im Folgenden einige Punkte zusammengefasst, die eine gute Welpenschule ausmachen und so Ihnen und Ihrem kleinen Freund den Start in ein glückliches Leben erleichtern.

1. Die richtige Mischung machts

Eine gute Welpenschule erkennen Sie daran, dass sie nicht ausschließlich aus Welpen besteht. Das mag etwas seltsam klingen, der Sinn liegt aber auf der Hand. Immer wieder erzählen Hundehalter, dass sie den Kurs mit ihrem kleinen Schützling abbrechen mussten, da er von mal zu mal eingeschüchterter aus der Gruppe genommen werden musste. Eine Gruppe die ausschließlich aus Welpen besteht, ist mehrheitlich ein chaotischer unkontrollierter Haufen wuselnder Fellkinder. Hundewelpen sind im Sozialverhalten untereinander noch sehr unerfahren. Sie haben meist noch kaum Grenzen gelernt oder wissen diese oft nicht zu deuten. Sehr schnell entwickeln sich innerhalb dieser ausschließlich aus Welpen bestehenden Gruppen ungünstige Dynamiken. So werden schwächere oder zurückhaltendere Welpen oft von einem oder gar mehreren Welpen gemobbt und nehmen aus der gut gemeinten Welpenschule nur die Erfahrung mit, dass andere Hunde Stress oder gar eine Bedrohung bedeuten.

Eine gute Welpengruppe ist organisiert und bewusst von einer erfahrenen Trainerin aus gezielt ausgewählten erwachsenen und jungen Hunden zusammengestellt. Denn was ein Welpe von einem souveränen, erfahrenen erwach-senen Hund in Sachen Sozialverhalten innerhalb kurzer Zeit lernen kann, würde monatelange intensive Prägungsarbeit im sozialen Alltag mit dem Menschen erfordern. Weiters kann es oft hilfreich sein, Welpengruppen nach Größe einzuteilen. Allerdings sollten speziell sehr kleine Hunde niemals isoliert von großen Hunden aufwachsen, da sich daraus die gefürchteten „Alles-Ankläffer“ entwickelt. Ein sehr kleiner Hund, der während der Prägezeit niemals Kontakt zu einem größeren Hund hatte, kann später nur mit Unbehagen und Abwehr auf einen solchen reagieren. Außerdem sollten große Hunde umgekehrt einen sorgsamen und nicht zu stürmischen Umgang mit kleinen Hunden lernen dürfen. Hundehalter erwarten manchmal, dass Hunde diese Ver-haltensweisen von Geburt an beherrschen. Tatsächlich aber müssen Hunde den respektvollen Umgang mit Artgenossen ebenso lernen dürfen, wie auch wir Menschen.

2. Kleine Gruppengröße für bessere Atmosphäre

Eine weitere Voraussetzung für eine gute Welpengruppe ist eine überschaubare Gruppengröße. Leider ist es auch heute noch Normalität, Welpengruppen mit bis zu zehn, fünfzehn Hunden anzubieten. Der Lerneffekt für Hund und Halter ist in einer so großen Gruppe jedoch relativ gering. Der kleine Hund hat noch eine sehr begrenzte Aufnahmefähigkeit und in einer sehr reizüberladenen Umgebung, sinkt diese auf ein Minimum. Zudem ist es dem Trainer in einer großen Gruppe kaum möglich auf die einzelnen Bedürfnisse der Mensch-Hund-Teams einzugehen oder mögliche Fehlerquellen rechtzeitig zu erkennen. Das Ergebnis sind dann oft unzufriedene Halter und überforderte Hundewelpen.

Besser eignen sich kleine Gruppen mit höchstens fünf Teams. Optimal sind zudem kurze Trainingseinheiten von höchstens einer halben Stunde, um Hund und Halter gerade zu Beginn nicht zu überfordern. In den ersten Wochen sollte der Fokus hauptsächlich am Teambuilding liegen und weniger am Erlernen einzelner Kommandos. Viele Hundehalter verlassen den Welpenkurs am Ende enttäuscht, weil der Welpe überwiegend mit dem Spielen mit den anderen Welpen beschäftigt war, das Heranrufen aber noch nicht zuverlässig klappt. Sie können sich sicher vorstellen, dass das Üben des Heranrufens in einer Gruppe mit über zehn Hunden tatsächlich eine riesige Herausforderung darstellt. In einer kleinen Gruppe ist es dagegen leichter, für ein entspanntes Lernklima zu sorgen.

3. Fokus weg von Kommandos hin zur Alltagstauglichkeit

Im Zuge meiner Recherche habe ich oft Gruppen besucht, in denen es in erster Linie um das Erlernen der üblichen Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ und „Fuß“ ging. Welpen sind oft noch gar nicht in der Lage in der stressigen Umgebung einer Welpengruppe am Hundeplatz diese Kommandos zuverlässig zu erlernen. Eine gute Welpengruppe erkennen Sie meiner Meinung nach auch daran, dass sie Hunde und Halter weg vom Hundeplatz raus in alltägliche Situationen bringt. Ein Gruppentreffen beispielsweise in einer Einkaufsstraße oder in einem Kaffeehaus. Spätestens hier wird ganz klar, warum eine möglichst kleine Gruppengröße von so großer Bedeutung ist. Mit zehn Teams ist ein solches Unterfangen nahezu unmöglich. Mit drei bis fünf Teams lässt sich auch eine solche Herausforderung als Trainer gut gestalten. Und der Lernerfolg ist vor allem für Hundehalter sehr viel befriedigender, weil sie in den für Halter am schwierigsten zu meisternden Situationen fachliche Anleitung erfahren und direkt vor Ort mit ihrem Hund lernen können. Die Trainerin kann das Mensch-Hund-Team direkt bei einer Begegnung mit anderen Hunden beobachten und bei Bedarf eingreifen oder beratend zur Seite stehen.

Eine solche Qualität ist in der von Umweltreizen isolierten Umgebung eines Hundeplatzes niemals möglich.

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 02/2019

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