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Tabu in Erziehung und Ausbildung – Strafen erlaubt?

Wie sieht das nun wirklich in der Praxis aus? Kommt man bei der Hundeerziehung oder wenn der Hund bereits unerwünschtes Verhalten zeigt tatsächlich ganz ohne Korrektur aus oder ist sie erlaubt? Und falls ja, wie könnte diese aussehen? Kaum ein Thema wird so emotional diskutiert wie Korrekturen in der Hundeerziehung. Dabei ist die Antwort auf die Frage denkbar einfach – wir Menschen müssen umdenken, und zwar ganz radikal!

Herr Laure erzählt, dass sein Sennenhund Bruno in letzter Zeit immer unaufmerksamer
wird. Er achtet überhaupt nicht mehr auf Herrchen beim Spaziergang und schnüffelt ständig. Zuletzt wurde er sogar zum Leinenpöbler. In der Hundeschule riet man zur Kastration des dreijährigen Rüden. Ein Beispiel, wie man es fast unendlich oft auf idente Weise wiederfindet. Hunde im besten Alter werden am besten vorsorglich kastriert, um solch unerwünschtes Verhalten gar nicht erst aufkommen zu lassen. Am eigentlichen Problem ändert das aber gar nichts. Der Hundehalter wird dadurch auch nicht weiter in seinem Verhalten geschult, das Problem sozusagen ausgelagert.

Wie bekommt man unerwünschtes Verhalten in den Griff?

Natürlich stellt sich in erster Linie die Frage, ob es dafür tatsächlich eine Strafe braucht. Dazu ist es zunächst wichtig, den Begriff Strafe genauer zu definieren.
Im Duden wird der Begriff „Strafe“ definiert als „etwas, womit jemand bestraft wird, was jemandem zur Vergeltung, zur Sühne für ein begangenes Unrecht, eine unüberlegte Tat (in Form des Zwangs, etwas Unangenehmes zu tun oder zu erdulden) auferlegt wird.“

Die 4 Quadranten der Operanten Konditionierung

In der Lerntheorie unterscheidet man zwischen positiver und negativer Strafe. Die vier Quadranten der operanten Konditionierung stellen wir speziell durch die emotionalen Folgen der jeweiligen Konsequenz bildlich dar (siehe Grafik). So erkennen wir schnell, dass jedes Verhalten von uns Menschen in der Erziehung unserer Hunde eine mehr oder weniger drastische emotionale Reaktion beim Hund zur Folge hat. Dessen sollten wir uns unbedingt bewusst sein und gerade wenn Hunde vermehrt unerwünschtes Verhalten zeigen, sollten wir in erster Linie unser eigenes Verhalten hinterfragen.
Hunde streben, bis auf wenige Ausnahmen, immer ein bestmögliches Auskommen mit uns an. Selbst wenn Ihr Hund unerwünschtes Jagdverhalten zeigt, will er Ihnen damit nicht Kummer und Sorgen bereiten, sondern folgt seinem natürlichen Verhalten. Natürlich könnten Sie ihn nun dafür bestrafen, doch welchen Effekt sollte diese Strafe haben? In aller Regel könnten Sie Ihren Hund erst bestrafen, nachdem er seiner Jagdlust nachgegeben hat und bereits wieder zu Ihnen zurückgekehrt ist. Hunde können eine anschließende Strafe nicht in einen kausalen Zusammenhang mit dem zuvor gezeigten Jagdverhalten bringen. Es ist natürlich sehr wahrscheinlich, dass der Hund zwar mit demütiger Haltung auf Ihre (hoffentlich nur) verbale Strafe reagiert, jedoch zeigt er diese Haltung nur als direkte Reaktion auf Ihr einschüchterndes Verhalten und nicht etwa weil er sich seiner „Schuld“ bewusst ist. Dazu müsste er das Jagen, das in den meisten Hunden genetisch tief verwurzelt ist, überhaupt erst einmal als fehlerhaft erkennen. Bevor Sie also jegliche Beziehung und jegliche Vertrauensbasis zu Ihrem Vierbeiner aufs Spiel setzen, sollten Sie im konkreten Fall die Problematik aus der umgekehrten Perspektive sehen.
Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 06/2019

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