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Welpenkurse – bereit für den Ernst des Lebens

Mit der Welpenschule legen Sie den Grundstein für einen gut sozialisierten, souveränen Hund. Aus diesem Grund will der richtige Kurs besonders gründlich ausgewählt sein, da negative Erfahrungen weitreichende Folgen haben können. Verena Nerat bietet Ihnen einen kleinen Leitfaden, woran Sie eine gute Welpenschule erkennen.

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Die meisten Züchter geben ihre Welpen im Alter zwischen 8 und 10 Wochen an ihre neuen Besitzer ab. In diesen ersten Wochen entwickeln sich die Kleinen, die blind und taub zur Welt kommen und meist mehr einem Maulwurf als einem Hund ähneln, rasant weiter. Nach etwa einer Woche öffnen sie die Augen und auch die Ohren Stück für Stück.

Mit etwa drei Wochen sind diese beiden Sinnesorgane voll entwickelt und der Welpe vergrößert nun immer mehr seinen Radius, um die Welt zu erkunden. Zu diesem Zeitpunkt nimmt er auch seine Mama und seine Geschwister zum ersten Mal mit allen Sinnen wahr. Was der kleine Welpe nun erlebt und erforscht, prägt sich nahezu unauslöschlich in seinem Gehirn ein.

Mit ca. 4-5 Wochen beginnen sie sich, selbstständig zu putzen, zu kratzen, abzulecken und auch das Spiel mit den Wurfgeschwistern beginnt actionreicher zu werden: es werden wilde Verfolgungsjagden gestartet, es wird um Beute gekämpft und sich so gemessen. Aber es wird natürlich auch mit den Geschwistern, der Mama und auch ihren Menschen geschmust und gekuschelt. Die Kleinen üben sich, ihre Koordination zu verbessern und vieles mehr. Diese Phase ab der ca. 4. Lebenswoche nennt sich Sozialisierungsphase und ist wohl eine der wichtigsten Phasen, in denen der Welpe auf Artgenossen, Menschen und andere Tiere geprägt wird. Hier ist es von größter Bedeutung und Wichtigkeit, dass die Welpen auch verschiedene Menschen (natürlich auch Kinder) kennenlernen, um positive Erfahrungen machen zu können. Dies prägt sie für den Rest des Lebens und bildet die Grundlage für ein positiv besetztes Vertrauensverhältnis zu uns Menschen.

In diesen ersten 8-10 Lebenswochen hat der Züchter eine große Verantwortung, sowohl für die geistige als auch die körperliche Entwicklung der Welpen. Wachsen sie nicht im Familienverband auf und bleibt ihnen die Umwelt mit ihren wichtigen Erlebnissen vorenthalten, können schwere Verhaltensstörungen die Folge sein. Ein verantwortungsvoller Züchter wird dem Nachwuchs also eine ideale Umwelt bieten, wo die Kleinen ebenso wie die Mutterhündin bestens versorgt werden, wo sie die verschiedensten Menschentypen sowie Kinder, Artgenossen und andere Tiere kennenlernen können, wo ihnen ein kleiner Abenteuerspielplatz geboten wird, in dem sie mit verschiedenen Reizen konfrontiert werden wie beispielsweiseBällebad, Flatterbänder, aufgehängte Blechdosen oder Plastikflaschen, unterschiedliche Untergründe und vieles mehr.

Der Umzug ins neue Zuhause

Etwa im Alter von 7-8 Wochen beginnt die Hundemama die Welpen, die bis dahin eher Narrenfreiheit genießen durften, langsam zu reglementieren. Die Welpen lernen außerdem durch den Umgang mit ihren Eltern, Geschwistern und anderen Artgenossen sich zu verständigen, zu benehmen und sich in die bestehende Gemeinschaft zu integrieren. In genau diese wichtige Phase fällt nun meistens der Umzug in die neue Familie … Die Trennung von Hundemama und Wurfgeschwistern, gekoppelt mit dem Umzug in eine neue, fremde Umgebung ist ein großer Einschnitt im Leben des kleinen Hundes und führt zum Abbruch wichtiger Lern- und Entwicklungsprozesse.

Es liegt jetzt am neuen Besitzer, dieses Prozesse bestmöglich fortzusetzen: Der Welpe muss von uns angeleitet und unterstützt werden, wir müssen ihn alle die Dinge lehren und zeigen, die er bei seiner Mama bzw. durch seine Geschwister gelernt hätte. In dieser Phase können wir die Weichen für eine lebenslange, harmonische Bindung zu unserem Vierbeiner stellen. Eine wunderschöne, aber oft auch nicht ganz leichte Aufgabe!

welpenbullysWozu die Welpenschule

Die Welpen lernen viele wichtige Verhaltensweisen im Spiel und im Umgang mit gleichaltrigen Artgenossen. Dies können wir zuhause meist nicht bieten und auch der gelegentliche Kontakt zu anderen, meist schon erwachsenen Hunden am Spaziergang, die die Kleinen meist eher ignorieren, ersetzt diesen wichtigen Umgang mit Gleichaltrigen absolut nicht. Auch wir Zweibeiner können ihm nur eingeschränkt bieten, was er in der wichtigen Prägungsphase alles lernen sollte. Und hier kommen wir nun zur Wichtigkeit einer Welpenschule, denn in dieser haben die Welpen die Möglichkeit, im Umgang mit gleichaltrigen Artgenossen spielerisch zu lernen, wie man sich unter Hunden verständigt, wie man sich zu benehmen hat und vieles mehr. Das freie Spiel zwischen Altersgenossen ist etwas ganz Besonderes und unerlässlich für den weiteren Entwicklungsprozess der Welpen und somit auch der Förderung einer positiven Verhaltensentwicklung. Ein gut geführter Welpenkurs bietet eine hervorragende Möglichkeit dieses so wichtigen Kontaktes zu gleichaltrigen Welpen. Idealerweise beginnt man mit der Suche schon, bevor man den Welpen zu sich nach Hause holt. Da die Sozialisierungsphase nicht allzu lange dauert, sollte und kann man schon nach ein paar Tagen der Eingewöhnung im neuen Zuhause an einem Kurs teilnehmen. Hat man eine Hundeschule gefunden, sollte man sich eine Kurseinheit schon einmal im Vorfeld ohne Hund ansehen, um sich von der Qualität zu überzeugen und vielleicht auch schon einmal mit dem zuständigen Trainer zu reden. Fragen Sie am besten Ihren Tierarzt oder hören Sie sich im Bekanntenkreis um. Mundpropaganda und das eigene Bauchgefühl sind oft der beste Ratgeber, um eine gute Hundeschule zu finden.

welpenDie optimale Welpenschule

Der wichtigste Teil soll das kontrollierte, freie Spiel sein, um dabei die Körpersprache der anderen Welpen zu lernen, diese richtig einschätzen und angemessen reagieren zu können. Deshalb ist es auch ganz wichtig, dass die Gruppen gemischt sind, denn die Körpersprache der verschiedenen kleineren und größeren Rassen muss ein Welpe wie eine Fremdsprache lernen. So kommt es dann im späteren Leben zu weniger Missverständnissen. Ein Zwergpinscher muss lernen, dass er auch vor einem Rottweiler keine Angst haben muss und umgekehrt muss ein Dobermann lernen, dass er sich im Spiel mit einem kleineren Artgenossen etwas dosieren muss, um diesem nicht wehzutun.

Ebenso kann es passieren, dass Hunde, die auf kleinere Artgenossen nicht ordentlich sozialisiert wurden, bei diesen später fehlgeleitetes Jagdverhalten zeigen. Auch die Möglichkeit, die geistigen, körperlichen und motorischen Fähigkeit des Welpen weiterzuentwickeln, in dem man ihn mit den verschiedensten Untergründen, Bällebecken, Wackelbrettern, kleinen Laufstegen und Wippen, Bodenhindernissen zum Drübergehen oder Durchschlängeln, Planen aus knisternden Materialien, Vorhängen aus Flatterbändern oder Plastikflaschen bekannt macht um so gleichzeitig seine Umweltsicherheit und eigene Selbstsicherheit aufzubauen und zu festigen, sollte ein wichtiges Element sein.

Auch bietet die Welpenschule die Gelegenheit, die Kleinen mit vielen verschiedenen Menschentypen zu sozialisieren, beispielsweise auch Menschen mit Krücken, mit Rollatoren oder Menschen, die hinken. Die Welpen sollen lernen, dass Menschen nichts sind, wovor man Angst haben muss. Auch Handling-, Impulskontroll- und Konzentrationsübungen, ebenso wie Rückruftraining, richtiges Spielen, aber auch einmal ruhiges Warten oder ein paar kleine Unterordnungs-Basics wie Sitz oder Platz sollten Teil des Ganzen sein. All dies soll in altersgerechten, kurzen Einheiten gelehrt werden, denn Welpen können die Konzentration nur sehr kurz aufrecht halten und dürfen nicht überfordert werden. Es sollte einfach darum gehen, die Charaktereigenschaft des jeweiligen Welpen bestmöglich zu fördern und seine Fähigkeiten auszubauen.

Auf einen Blick

– Gruppengröße von max. 6 Welpen bei 1-2 Trainern
– Die Trainer sollten kompetent Auskunft geben können, auch auf intensives Rückfragen
– Gemischtrassige Gruppen, damit die Welpen die „Fremdsprachen“ der anderen Rassen kennenlernen
– Es gibt einen Abenteuerspielplatz mit verschiedensten Geräten, Untergründen
– Mix aus verschiedenen Elementen zu den Themen freies Spiel, Sozialisierung auf Menschen/Tiere/Artgenossen, Abenteuerspielplatz, Handling-, Impulskontroll-, Konzentrationsübungen, Rückruftraining, richtiges Spielen mit dem Menschen, ruhiges Warten, Basics wie Sitz und Platz
– alles altersgerecht in kleinen Dosen serviert
– Finger weg von Gruppen, in denen nur gespielt wird (noch dazu ohne Kontrolle) und Gruppen, wo gar nicht gespielt wird, sondern nur Wert auf Früherziehung in Unterordnung gelegt wird
– Es wird nach modernen wissenschaftlichen Methoden gearbeitet, sprich mittels positiver Verstärkung und idealerweise mit Markerwort oder Clicker
– Für die Zweibeiner gibt es Theorieeinheiten.

Natürlich sollen aber auch die Zweibeiner im Welpenkurs Anleitungen und Hilfestellungen erhalten, wie man eine vertrauensvolle Bindung zum Welpen aufbaut und ihn artgerecht durchs Leben begleitet. Dazu gehört nun mal auch einiges an Theorie, aber interessant verpackt kann auch das ganz schön spannend sein und Ihnen das Zusammenleben mit Ihrem neuen Familienmitglied um ein Vielfaches erleichtern.

Ganz allgemein ist es noch wichtig anzumerken, dass die Teilnehmerzahl einer Welpengruppe sechs Welpen nicht übersteigen sollte und idealerweise von zwei kompetenten Trainern angeleitet wird. Gerade beim freien Spiel müssen die Trainer genügend Erfahrung mitbringen, um das Spiel nicht zu früh zu unterbrechen, denn die Kleinen sollen auch lernen, mit Konflikten umzugehen bzw. diese zu vermeiden, aber das Spiel soll auch nicht zu spät oder unter Umständen gar nicht abgebrochen werden. Es darf nicht passieren, dass ein Welpe schon im jungen Alter lernt, wie er andere mobben kann, ohne dabei auch einmal gebremst zu werden und umgekehrt, dass ein Welpe lernt, vor anderen immer Angst haben zu müssen. Dabei sollte der Trainer den Kursteilnehmern erklären, wann es Zeit ist, reglementierend einzugreifend und wie man dabei vorgeht.

Die Welpenschule ist der wichtigste Kurs im Leben eines Hundes!
Er fällt in eine Phase seines Lebens, in der sich vieles verändert und die Kleinen all die Dinge lernen müssen, die sie ihr Leben lang begleiten werden. In dieser Zeit werden viele Weichen gestellt und wenn Ihr Welpe genügend Möglichkeiten hat, sich optimal zu entwickeln und auf möglichst viele Dinge positiv und wohldosiert sozialisiert zu werden, ist er bestmöglich auf sein weiteres Leben zusammen mit seinem Menschen vorbereitet.

Aber umgekehrt gilt auch, dass man sich durch eine schlecht geführte Welpengruppe mehr kaputt machen kann, als sie nützt. In diesem Fall gilt eher der Ratschlag „Besser keine als eine schlechte Welpenschule besuchen.“

Autorin: Verena Nerat

Seminartipp

Welpen- und Junghundeentwicklung, Ontogenese I

Seminarinhalte

– Grundlegende Begrifflichkeiten der Verhaltensforschung
– elementare Grundkenntnisse des Verhaltens
– unterschiedliche Entwicklungsphasen
– wie lassen sich Phasen voneinander unterscheiden
– Begriffsdefinitionen: Prägung, Sozialisation
– Analyse der Entwicklungsphasen
– die Rolle des Menschen in der Entwicklung des Hundes
– Einflussfaktor Umwelt

Datum: 11.+12.6.2016
Ort: Graz, Hotel Novapark
Referent: Bardhi Murati von Couragiert Hundetraining

Infos und Anmeldung

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