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Wie viel Bewegung braucht ein Welpe?

Keine Zeit im Leben eines Hundes, abgesehen vielleicht vom Alter und den Wehwehchen und Eigenheiten eines alten Hundes, beschäftigt uns mehr als die Welpenzeit. Wir fiebern dem Einzug des neuen Familienmitgliedes bereits über Wochen entgegen, bereiten alles vor, kaufen ein, informieren uns (hoffentlich schon im Vorfeld) über die Eigenschaften und besonderen Anforderungen der gewählten Rasse, suchen im Idealfall eine passende Hundeschule, lesen uns zum Thema Futter und Pflege ein. Wir sind quasi „schwanger“. Und können den Einzug kaum noch erwarten.

Wir sind vollbepackt mit Vorfreude und wollen alles richtig machen. Das ist unser oberstes Ziel. Was früher mangels Information oft noch aus dem Bauch heraus, also intuitiv, geschehen ist, wird heute durch (manchmal zu viel) Wissen kompensiert. Wir lesen Bücher, Rassebeschreibungen, in diversen Foren und Facebook-Gruppen. Und sind dadurch oftmals zwiegespalten, was denn nun das Richtige für den kleinen Welpen ist, wie es perfekt gemacht wird, was die beste Wahl des Futters ist – wie wir wissen löst vor allem dieses Thema wahre Glaubensdiskussionen aus, und natürlich pocht jeder auf seine Erfahrungen und Meinung. Und wir verlieren vor lauter „Wissen“ oftmals unser Gefühl für das Lebewesen Hund – es fehlt das Herz und es fehlt das „Spüren“ des neuen Gefährten.

Information ist gut – aber nicht ohne das nötige Gefühl

Wissen ist Macht – das ist auch meine Meinung in dem Zusammenhang. Aber darüber hinaus müssen wir gerade in dieser stressigen, informativen Zeit das Wichtigste im Auge behalten – und das ist neben all dem anderen vor allem das kleine Lebewesen, das uns anvertraut wurde. Und das Gefühl für dieses. Oftmals reagieren wir – und das betrifft durchaus nicht nur Frauen, sondern auch Männer, und die oft mehr als uns Frauen, sind wir doch meist die strengeren – mit starken „Muttergefühlen“ auf den herzigen, immer unschuldigen Welpenblick. Wir tun uns schwer, klare Grenzen zu setzen. Wir theoretisieren alles, fragen, bevor wir selbst reflektieren, lieber die große Forengemeinde auf Facebook. Oftmals gibt es kein Mittelmaß mehr zwischen konsequent und liebevoll – wir überschütten den Welpen gerne mit all unserer Liebe. Und übersehen hierbei oft, dass ein Hund, sei er auch noch so jung, ganz klare Regeln braucht, um sich wohl zu fühlen. Er muss wissen, woran er ist, und das immer und überall. Nur so schaffen wir es, ihm die nötige Sicherheit zu vermitteln – und Sicherheit in dem Zusammenhang bewirkt, dass der Hund sich auf uns einlässt und uns vor allem auch die „Führung“ überlässt. Und sich von uns, ohne Angst oder „Aggression“, durch die Anforderungen des Alltags leiten lässt.

Konsequenz als A und O

Ohne Fleiß kein Preis ist ein altes Sprichwort. Wenn wir das nun auf unseren neuen Partner, unseren Welpen, umsetzen, heißt das, wir fordern für uns positives Verhalten durch positive Verstärkung, belohnen also durch Stimme, Futter, Sozialkontakt, Spiel alles, was er anbietet und von sich aus zeigt. Gleichsam müssen wir aber auch unerwünschtes, oft für ihn viel mehr lohnendes „Fehl“verhalten, umlenken oder unterbinden. Je jünger der Hund ist, desto leichter ist es – was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr ist hier zu viel gesagt, denn unser Hund lernt, ähnlich wie wir Menschen, bis zum letzten Atemzug täglich dazu. Aber vor der Selbstständigkeit des erwachsenen Hundes oder der schwierigen Phase der Pubertät ist es durchaus einfacher. Wir wollen ja einen „braven“, sozialverträglichen Hund, der uns Freude bereitet. Müssen ihn aber hierfür in möglichst vielen Situationen alltagstauglich machen, ihn also gezielt trainieren. Und konsequent an der Beziehung und Erziehung des Hundes arbeiten.

Beschäftigung & immer dabei

Wir besuchen also eine Hundeschule, suchen uns einen guten Privattrainer oder haben die nötige Erfahrung selbst, um die beste Basis zu schaffen. Wir erziehen ihn, versuchen aber auch, ihn durch Training zu beschäftigen, ihn Übungen zu lehren, ein paar Tricks beizubringen & wollen ihn auslasten. Wir spielen mit ihm, ermöglichen ihm Sozialkontakte, nehmen ihn überall mit hin zu Beginn, um ihm alles zu zeigen. Natürlich dürfen auch schöne Sonntagsausflüge mit der Familie nicht fehlen, und spazieren gehen wir auch mehrmals täglich. Je nach Rasse kann dies schnell zu zwei Effekten führen. Entweder überfordern wir unseren Welpen, sowohl körperlich als auch geistig, mit den vielen Eindrücken, ohne es zu merken, und schaffen uns dadurch Probleme, die sich sonst wahrscheinlich nicht entwickelt hätten. Oder wir erziehen und entwickeln unseren Welpen durch die immer mehr gesteigerte Beschäftigung und fehlenden Ruhephasen zu einem Workaholic und dauernd unter Strom stehenden Nervenbündel. Oder im schlimmsten Fall beides.

Antrainiertes Problemverhalten – geistige Überforderung

Besonders eingehen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die dafür vor allem anfälligen Rassen wie den Großteil der Hütehunderassen (Border Collies, Aussies etc.), aber auch viele der Gebrauchshunderassen (Malinois, Schäferhund) und auch andere aktive Rassen, wie zum Beispiel die meisten Terrier oder Schnauzer. Ich habe zum Großteil Vertreter dieser Rassen im Verhaltenstraining, weil die Besitzer aus Unwissenheit, aber unter den besten Absichten, einen nimmermüden Workaholic heranziehen, der sie durch dadurch entstandenes Problemverhalten oftmals an ihre Grenzen bringt, und das Leben zur Hölle macht.
Schon als Welpe hat er oftmals einen durchgestylten Terminkalender, er muss alles erleben und mit dabei sein – und kann dadurch nicht mehr zur Ruhe kommen, geschweige denn schlafen. Oftmals brennen diesen Hunden dann die Sicherungen durch, sie sind daueraktiv, fordern immer mehr „Bespaßung“, werden scheinbar niemals müde, weil sie sich von selbst nie hinlegen und abschalten, entwickeln aber ganz oft auch Übersprungshandlungen und Stresssymptome wie schnappen, winseln, bellen, hüten Autos oder andere Hunde, entwickeln Aggressionen gegen Artgenossen oder Ängste.

Stress macht krank

Wir machen unsere Hunde also durch den falschen Ansatz, sie durch Ballspielen oder unzählbare Sozialkontakte und Ausflüge auszulasten, seelisch krank und es entwickeln sich dadurch Problemverhalten & Stereotypien. Weniger ist hierbei mehr. Gezieltes Training, danach ausreichend Ruhepausen, wenige ausgewählte Hundekontakte, interessante Schnüffelspiele & Kopfarbeit und eine gemütliche Spazierrunde zum „Zeitunglesen“ und Duftmarkensetzen.

Körperliche Schäden bei zu hoher Belastung

Das Skelett eines Welpen ist noch sehr weich, die Wachstumsfugen sind offen, die Muskeln und Sehnen entsprechend noch nicht entwickelt. Überlasten wir unseren Welpen durch zu starke Belastung, sprich lassen wir ihn zu viel unkontrolliert toben, gehen wir zu lange, überfordernde Runden mit ihm spazieren, zu viel bergab oder schleppen ihn den ganzen Tag mit, überlasten wir, neben der Psyche, auch den Bewegungsapparat. Schmerzhafte Gelenks- oder Beinhautentzündungen, Wachstumsschmerzen oder auch durch die zu starke Belastung entstehende Absplitterungen sind die Folge. Aber auch erblich bedingte Erkrankungen wie OCD (Osteochondrosis dissecans), HD (Hüftgelenksdysplasie) oder ED (Ellbogendysplasie) und deren Entstehung hängen neben der erblichen Vorbelastung wesentlich mit Überbelastung im jungen Wachstumsalter, aber auch der richtigen Ernährung (zu hoher Energiegehalt des Futters und das falsche Verhältnis von Kalzium und Phosphat) zusammen.

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 06/2020

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