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Wölfe – Meister der Beobachtung

Hunde schauen sich bekanntermaßen vom Menschen aber auch Artgenossen Dinge ab: Ist dies aber eine besondere Fähigkeit des Hundes, die er sich im Laufe der Domestikation angeeignet hat? Wolfsforscherinnen lieferten nun Antworten

Dass alle Haushunde tatsächlich von domestizierten Wölfen abstammen die vor rund 20.000 Jahren in Europa lebten, ist spätestens seit den kürzlich publizierten Ergebnissen von finnischen Forschern belegt. Diese haben die DNA von heute lebenden Hunden mit der Erbsubstanz aus alten Hunde- und Wolfsknochen verglichen.

Die Genetiker um Olaf Thalmann spekulieren in ihrem Text auch darüber, wie die Hundewerdung begonnen haben könnte (vgl. YOUR DOG Wissensserie von Christoph Jung „Hund & Mensch, Partner seit der Steinzeit“ Ausgabe 05/2013).

Rund 20.000 Jahre später ist das Haustier Hund des Menschen liebster Begleiter – nicht zuletzt dank der sozialen Fähigkeiten und der Auffassungsgabe der Vierbeiner: Diese können sowohl von ihren Artgenossen als auch vom Menschen lernen. Doch wann sind diese Talente entstanden? Wurde das Lernen vom Menschen erst mit der Domestikation eingeführt, oder war es umgekehrt eine Voraussetzung dafür, dass sich Wölfe vom Menschen domestizieren ließen?

wolf

Friederike Range und ihre Kollegin Zsófia Virányi vom Messerli-Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben diese Fragen nun experimentell beantwortet. Die Verhaltensbiologinnen untersuchten dazu elf Wölfe und 14 Hunde, die im Wolf Science Center in Niederösterreich aufgezogen und in Rudeln gehalten wurden.

Für die Lernexperimente beobachteten Wölfe und Hunde, wie ein Mensch oder speziell trainierte Haushunde Nahrung vor den Augen der Tiere versteckten. Beide, Wölfe wie Hunde, fanden verstecktes Fressen häufiger, nachdem sie einen Demonstrator, Hund oder Mensch, beim Verstecken beobachteten als während der Kontrolle, wo sie keine Demonstration sahen. Die Forscherinnen folgern daraus, dass die Tiere nicht nur ihrem Geruchssinn vertrauen, sondern auch beobachten und diese Information nutzen.

Das war aber noch nicht alles: Range und Virányi wollten auch wissen, wie gut die Tiere beobachten. Für dieses Experiment gaben die Demonstratoren – egal ob Hund oder Mensch – nur vor, Fressen zu verstecken. Nun zeigten sich Unterschiede zwischen Hund und Wolf: Hunde unterschieden zwischen der Demonstration und der Kontrollsituation und suchten nur, wenn wirklich Futter versteckt wurde.

Wölfe dagegen unterschieden nur beim Menschen zwischen den beiden Situationen. War der Demonstrator ein Hund, schauten die Wölfe generell weniger zu als die Hunde und machten keinen Unterschied zwischen den beiden Situationen. Die Interpretation der Forscherinnen: Wölfe beobachten besonders genau, wenn es um Artverwandte geht. Und da die hündischen Demonstratoren das Futter selbst nicht mochten, interessierten sich auch die Wölfe weniger dafür, das Fressen zu finden.

Wie Range und Virányi im Fachblatt „Frontiers in Psychology“ resümieren, haben Hunde und Wölfe sehr viel gemeinsam, wenn es um ihre kognitiven Fähigkeiten geht. Friederike Range dazu: „Die Fähigkeit, von sozialen Partnern zu lernen, beschränkt sich nicht auf den Hund, sondern war bereits bei den Vorfahren, den Wölfen, vorhanden.“ Damit ist auch klar, dass sich der Mensch diese Fähigkeiten der Wölfe zunutze machte – und nicht erst dem Hund beibrachte.

Wolfscience Center Ernstbrunn

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